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Südbayern | 19.06.2017

Fahrverbot? ADAC Südbayern begrüßt moderate Töne aus der Politik

Auf einer von Ministerpräsident Horst Seehofer am Sonntagabend einberufenen Sondersitzung in der Staatskanzlei mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und den betroffenen bayerischen Staatsministern (alle CSU) haben sich die Spitzenpolitiker gegen ein pauschales Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in Großstädten ausgesprochen. Der ADAC Südbayern begrüßt dies.

Der ADAC Südbayern mahnt in der Luftschadstoff-Debatte zur Besonnenheit.

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Denise Kehrer

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Der ADAC Südbayern mahnt seit Beginn dieser Debatte zur Besonnenheit und hatte am vergangenen Mittwoch seinen Standpunkt erneuert (zur Medienmeldung vom 14.6.2017) „Verbote auf dem Rücken der Verbraucher sind keine Lösung, es braucht gerade für München konstruktive und weitsichtige Lösungsansätze, etwa beim Ausbau und der Modernisierung des Nahverkehrs auf Straßen und Schienen“, betonte Florian Hördegen, stellvertretender Leiter des Fachbereich Verkehr/Technik/Umwelt beim ADAC Südbayern. Das Thema hatte in der vergangenen Woche an Brisanz gewonnen, nachdem der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wegen der hohen Stickoxid-Belastung mit einem Einfahrverbot in die Münchener Umweltzone gedroht hatte.

Der ADAC sieht folgende Lösungsansätze

Konkret fordert der ADAC Südbayern einen Ausbau der S-Bahn: Vor 40 Jahren wurde die Münchner S-Bahn in Betrieb genommen. Sie war damals für 250.000 Fahrgäste pro Werktag konzipiert. Mittlerweile steigen täglich mehr als dreimal so viele Personen in die acht S-Bahnlinien mit 150 Haltestellen ein. Ein attraktiver ÖPNV-Ausbau kann die laut einer ADAC Umfrage (hier geht's zur Medienmeldung vom 16.2.2017) ohnehin schon auf Platz 1 liegenden Münchner in puncto Nutzung Öffentlicher Verkehrsmittel also noch mehr zum Umstieg bewegen. „Auch der Anschluss an den Münchner Flughafen muss deutlich verbessert und ausgebaut werden“, sagt Hördegen.

„Auch die Nutzung alternativer Antriebe in Fahrzeugflotten mit hoher innerstädtischer Fahrleistung ist eine sinnvolle und wirksame Maßnahme zur Reduzierung der Schadstoffe durch den Pkw-Verkehr“, so Hördegen. Hier leistet der ADAC Südbayern schon seit 2010 einen Beitrag für bessere Luft in München: in dem Münchner Eco-Taxi-Pilotprojekt werden besonders umweltschonende Taxifahrzeuge vom ADAC Südbayern ausgezeichnet. Inzwischen gibt es rund 300 zertifizierte Umwelttaxis, welche kaum Stickoxide oder Feinstaub ausstoßen. Derzeit ist ein Projekt des ADAC Südbayern mit der Landeshauptstadt München, dem Flughafen und der Messe in Vorbereitung. Dieses soll die Etablierung von Elektro-Taxis fördern.

„Auch die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) kann einen großen Beitrag zur Reduzierung der Schadstoffe leisten“, stellt Hördegen fest. So wäre eine Umstellung des Busnetzes von Diesel auf Erdgas eine wirksame Maßnahme sein. Als positives Beispiel sind hier die Stadtwerke Augsburg zu nennen: Seit 2011 wird die gesamte Busflotte mit Bio-Erdgas aus agrarischen Abfällen angetrieben. Auch Busse mit Wasserstoffantrieb kommen in Großstädten bereits in Busflotten zum Einsatz. Beispiel Bozen: Hier sind die Wasserstoffbusse als ein Teil des EU-Demonstrationsprojektes „Clean Hydrogen in European Cities (CHIC) bereits seit Ende 2013 in der Innenstadt unterwegs.

Der ADAC weist auch wiederholt darauf hin, dass CNG-Fahrzeugmodelle (Erdgas) in ausreichender Auswahl zu bezahlbaren Preisen auf dem Markt angeboten werden müssen.


Weitere Maßnahmen könnten sein:

  • Verkehrsverflüssigung durch Einsatz von „Grünen Wellen“, adaptiver Verkehrssteuerung und intelligenten Verkehrsleitsystemen.
  • Neue Diesel-Fahrzeuge müssen mit wirksamer und modernster NOx-Minderungstechnik ausgestattet sein.
  • Realitätsnahe Abgasprüfzyklen und möglichst zeitnahe Einführung zusätzlicher Messungen im Realbetrieb mit strengem Konformitätsfaktor.

"Die Verhätnismöglichkeit muss gewahrt bleiben!"

„Die Verhältnismäßigkeit gegenüber Diesel-Fahrzeugen im Bestand muss gewahrt bleiben“, warnt Hördegen. „Viele Pendler und Bürger sind auf das Fahrzeug angewiesen. Die jetzt bedrohten Automobile galten noch vor kurzem als sauberste mögliche Dieseltechnologie. Diesen Missstand sollte der Verbraucher nicht ausbaden müssen“, stellt Hördegen klar. Zur Verdeutlichung: „Hier kann es sich um Fahrzeuge handeln, die bis zum 31. August 2015 als Neuwagen verkauft wurden – und nicht nur um „alte Stinker“. Der Verbraucher dürfe nicht die Zeche dafür zahlen, dass die Politik und die Autoindustrie die Weichen falsch oder zu spät gestellt haben.


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