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Standpunkte |12.04.2019

Streckenbezogene Geschwindigkeitsüberwachung mit „Section Control“

In Deutschland zugelassene, stationäre Messgeräte können die Geschwindigkeit nur punktuell messen. Das aus einigen Nachbarländern bekannte Section Control soll zukünftig auch hierzulande eine streckenbezogene Geschwindigkeitsüberwachung ermöglichen. Nach Ansicht des ADAC sollte Section Control auch in Zukunft eine Ausnahme bleiben.

Technologie

Section Control ist ein in Deutschland neues Verfahren zur Geschwindigkeitskontrolle. Dabei werden die Ein- und Ausfahrtzeitpunkte aller Fahrzeuge in einem Messabschnitt bekannter Länge vollautomatisch registriert. Die Kennzeichen einfahrender Fahrzeuge werden laufend mit den Kennzeichen ausfahrender Wagen verglichen. Stimmen diese überein, so wird die Fahrtzeit ermittelt und die Durchschnittsgeschwindigkeit berechnet.

Datenschutzanforderungen

Die automatische Erfassung aller Kfz-Kennzeichen (personenbezogene Daten) durch optische Zeichen-erkennung (ANPR) betrifft die informationelle Selbstbestimmung der Autofahrer. Ohne entsprechenden Anfangsverdacht wäre dieser Grundrechtseingriff nicht zu rechtfertigen. Um den Datenschutzanforderungen zu genügen, wird die Zeichenfolge mit einer kryptologischen Hashfunktion verschlüsselt, so dass kein Rückschluss auf das Kennzeichen beim Auslesen des Datensatzes möglich ist. Anschließend werden nur mehr die berechneten Hashwerte am Ein- und Ausfahrtquerschnitt verglichen. Die Bilder vom Ein- und Ausfahrtquerschnitt werden anonymisiert, verschlüsselt und nach kurzer Zeit wieder gelöscht, sofern kein Geschwindigkeitsverstoß vorliegt. Somit sind während der Messung keine Rückschlüsse auf das Fahrzeug oder personenbezogene Daten möglich. Um das Kennzeichen und das Bild des Fahrers für den Bußgeldbescheid dennoch auswerten zu können, wird im Falle eines Geschwindigkeitsverstoßes das Fahrzeug vergleichbar zu bisherigen Radarkontrollen am Ende des kontrollierten Streckenabschnitts von vorne fotografiert.

ADAC-Position

In Österreich konnte Section Control die Verkehrsdisziplin und auch die Verkehrssicherheit auf unfall-auffälligen Streckenabschnitten (insbesondere Tunnel und Baustellen) verbessern.
Um die Übertragbarkeit auf deutsche Verhältnisse sicherzustellen, muss der derzeit laufende Feldversuch in Niedersachsen wissenschaftlich ausgewertet werden. Dazu sollte insbesondere die Wirkung von Section Control mit der punktuellen Geschwindigkeitsüberwachung verglichen werden.
Nach Ansicht des ADAC sollte Section Control auch in Zukunft eine Ausnahme bleiben, zumal die Anlagen deutlich teurer als örtlich messende Überwachungsgeräte (z. B. Induktionsschleifen oder Lidar) sind. Für eine Einführung des neuen Messverfahrens auf weiten Teilen des Straßennetzes besteht kein Handlungsbedarf, da für eine effektive Geschwindigkeitsüberwachung bereits bewährte Messverfahren zur Verfügung stehen.