Lebensretter trainieren beim ADAC
Zwölf Stuttgarter Mediziner absolvieren auf Einladung des ADAC Württemberg Fahrsicherheitstrainings. Die Ärzte gehören zum sogenannten MIC-Team, das mit einem hochspezialisierten Sonder-Einsatzfahrzeug bei schweren Notfällen zur Hilfe eilt.
Sie drücken aufs Gaspedal, um Leben zu retten. Ärzte des Klinikums Stuttgart sind seit knapp zwei Jahren mit einer Intensivstation auf vier Rädern unterwegs und müssen brenzlige Situationen im Straßenverkehr meistern. Um in Extremfällen souverän am Steuer zu agieren, haben die Mediziner kürzlich Fahrsicherheitstrainings auf der ADAC Verkehrsübungsanlage bei Leonberg absolviert. „Wir bewegen uns im dichten Straßenverkehr, müssen schnell sein. Das ist ein hoher Risikofaktor“, erklärt Dr. Christoph Wihler, der die Spezial-Einheit leitet.
Die Ärzte eilen mit einem sogenannten Medical Intervention Car (MIC) zur Hilfe. Das Sondereinsatzfahrzeug ist unter anderem mit einer mobilen Herz-Lungen-Maschine (ECMO), einem Ultraschallgerät sowie Blutkonserven ausgestattet, um Unfallopfer sofort optimal versorgen zu können. Das MIC Stuttgart bietet vier Sitzplätze für medizinisches Personal, ein Krankentransport ist jedoch nicht möglich. Fahrzeug und Team werden bei schweren Verletzungen und Notfällen zusätzlich zum regulären Rettungsdienst alarmiert, etwa wenn es um ein schweres Trauma oder einen Kreislauf-Stillstand geht. Am Steuer sitzen keine Notfall-Sanitäter, sondern die Ärzte selbst.
Wasserfontänen simulieren plötzlich auftretende Hindernisse
In entsprechenden Verträgen ist laut Wihler sogar geregelt, dass die Mediziner regelmäßig Fahrsicherheitstrainings absolvieren müssen. Wie wichtig das ist, zeigt sich laut Wihler an diesem Beispiel: „Der Bremsweg mit unserem voll beladenen Fahrzeug ist deutlich länger. Das wird einem hier erst richtig vor Augen geführt“, erklärt der Mediziner auf der Verkehrsübungsanlage des ADAC Württemberg bei Leonberg. Das Areal liegt direkt an der ehemaligen Solitude-Rennstrecke und verfügt über 30.000 Quadratmeter befestigte Fläche, auf der beispielsweise Wasserfontänen plötzlich auftretende Hindernisse simulieren. Die Teilnehmenden lernen, wie sie in unvorhersehbaren Situationen schnell und sicher agieren und Unfälle vermeiden. Das Angebot des ADAC Württemberg richtet sich nicht nur an Fahrerinnen und Fahrer von Einsatzfahrzeugen, sondern in erster Linie an motorisierte Verkehrsteilnehmende.
„Wir wollen mit unserer Unterstützung ein Zeichen setzen“, sagt Michael Saur, Vorsitzender des ADAC Württemberg. „Das sind Ärzte, die sich jeden Tag für das Leben anderer einsetzen. Sie müssen dafür im Straßenverkehr sogar ein gewisses Risiko in Kauf nehmen. Ich wünsche mir, dass sie immer sicher ans Ziel kommen.“ Zum Kernteam des MIC zählen zwölf Mediziner des Klinikums Stuttgart, allesamt Anästhesisten. Sie sind hochspezialisierte Anästhesistinnen und Anästhesisten mit langjähriger Erfahrung in der Notfall- und Intensivmedizin. Sie alle nehmen aktuell an einem Fahrsicherheitstraining teil, das der ADAC Württemberg sponsert.
24/7-Bereitschaft: Arzt nimmt MIC-Fahrzeug mit nach Hause
Zur großen Stärke des MIC zählt laut Wihler aber auch der interdisziplinäre Ansatz. Je nach Einsatz sind auch Intensivmediziner aus dem Klinikum Stuttgart an Bord. Dank der Ausstattung des Fahrzeugs können schwerstkranke Kinder und Neugeborene ebenfalls sofort Hilfe erhalten. In solchen Fällen rücken dann zusätzlich Pädiater oder Neonatologen aus dem Olgahospital des Klinikums Stuttgart mit dem MIC an. Eine weitere Besonderheit ist die 24/7-Bereitschaft des MIC. Tagsüber ist das Fahrzeug am Klinikum stationiert. Nachts und am Wochenende nimmt der diensthabende Arzt das Fahrzeug mit nach Hause, um im Ernstfall sofort einsatzbereit zu sein.
Die Björn Steiger Stiftung hat das MIC Stuttgart mit 1,3 Millionen Euro finanziert. Darin enthalten sind die Anschaffungskosten und die Personalkosten für drei Jahre. Für diesen Zeitraum ist das Projekt, das auch wissenschaftlich begleitet wird, zunächst angelegt. Dabei soll laut Wihler aufgezeigt werden, dass eine Verbesserung der Versorgung für Patienten eintrete, wenn die bestmögliche Therapie bereits am Notfallort beginnt. Mittlerweile haben die Ärzte mehr als 1000 Alarmierungen mit dem MIC Stuttgart absolviert. Bis dato hat es nach Angaben von Wihler bis auf zwei Rempler keinen ernsthaften Unfall gegeben. Die Trainings auf dem ADAC Gelände sollen dazu beitragen, dass es so bleibt.
Der ADAC Württemberg bietet auf seiner Verkehrsübungsanlage am Solitude-Ring bei Leonberg unterschiedliche Fahrsicherheitstrainings ab 189 Euro für Motorräder und Pkw, darunter Intensivkurse und Einheiten für Senioren oder junge Fahrer. www.sicherheitstraining-stuttgart.de
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