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Südbayern | 18.07.2019

Strom tanken daheim: München macht‘s vor

Bewohner von Mehrfamilienhäusern mit Tiefgarage haben kaum eine Chance, ihr Elektroauto zu Hause aufzuladen: Eine deutschlandweite ADAC Studie zeigt, dass nur die wenigsten Tiefgaragen oder Parkflächen mit Steckdose oder Wallbox ausgestattet sind. Immerhin: München bildet da mit einem Angebot der Stadtwerke (SWM) im nationalen Vergleich eine lobenswerte Ausnahme und nimmt somit eine Vorreiterrolle ein.

Nur 4 Prozent der Autofahrer in Deutschland haben die Möglichkeit, ihr Fahrzeug daheim aufzuladen, wenn sie in Mehrfamilienhäusern leben.

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Nur vier Prozent der untersuchten Objekte über einen Stromanschluss, nur die Hälfte davon über wenigstens eine Ladesäule beziehungsweise Wallbox. Hauptgrund für die mangelhafte Infrastruktur ist laut Aussage der Immobilienwirtschaft das nicht geäußerte Interesse seitens der Mieter und Eigentümer. Als weitere Gründe werden die hohen Kosten, technische Probleme und regulatorische Unsicherheiten genannt.
Fortschritte sind dabei auch kurz- und mittelfristig nicht zu erwarten: Nur ein Viertel der befragten Unternehmen erwägt in den nächsten drei Jahren die Einrichtung von Lademöglichkeiten. Konkrete Pläne innerhalb eines Jahres verfolgen lediglich 13 Prozent. Die Stadtwerke München (SWM) ist das laut Alexander Kreipl, verkehrs- und umweltpolitischer Sprecher des ADAC Südbayern, schon einen deutlichen Schritt weiter: „Die SWM bieten mit der ‚SWM Mietladelösung‘ ein passendes Angebot für Mehrfamilienhäuser. Das Modell: Der Vermieter oder die Wohneigentumsgemeinschaft erhält von den SWM ein Komplettpaket aus einer Hand: von der Beratung über das Angebot und die Installation bis hin zum Lastmanagement. Interessierte Eigentümer/Mieter erhalten dann ein auf ihre Bedürfnisse bzw. das jeweilige Fahrzeug zugeschnittenes Mietangebot für eine passende Wallbox. Die SWM übernehmen den kompletten Ablauf, was eine entsprechende Beratung und die Beantragung eventueller Fördermittel einschließt.“ (Hier geht es zum SWM Angebot).

Hohe rechtliche Hürden, kaum Nachfrage
Mit ursächlich für die Zurückhaltung im Rest der Republik dürften die hohen rechtlichen und regulatorischen Hindernisse bei der Installation von Wallboxen sein: So verlangt das Wohnungseigentumsgesetz (WEG), dass bei Umbauten am Gemeinschaftseigentum alle Miteigentümer zustimmen müssen. Ist nur einer dagegen, kommt der Ausbau nicht zustande. Mieter haben hierauf bis heute keinen Anspruch. Die Pläne der Bundesregierung zur Beschleunigung des Hochlaufs der Elektromobilität werden dadurch gebremst.
„Unter diesen Umständen wird es kaum gelingen, die Elektromobilität für alle Interessierten nutzbar zu machen“, kritisieren die ADAC Vizepräsidenten für Verkehr und Technik, Gerhard Hillebrand und Karsten Schulze. Für Verbraucher sei es essentiell, dass sie ihr Fahrzeug unkompliziert zu Hause laden können. Denn rund 60 Prozent der Ladevorgänge von Privatnutzern fänden zu Hause statt. „Es ist deshalb notwendig, die Installation von Ladeinfrastruktur in Bestandsimmobilien zu erleichtern und das Miet- und Wohneigentumsrecht anzupassen. Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz sollte noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf vorlegen“.
Für die Erhebung hat der ADAC die elf größten deutschen Städte ausgewählt: Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt/Main, Stuttgart, Düsseldorf, Leipzig, Bremen, Dresden und Hannover. Insgesamt wurden 1.410 einschlägige Unternehmen nach der Anzahl der betreuten Objekte mit mehr als zehn Stellplätzen befragt. Davon unterhielten 310 Unternehmen mindestens ein Objekt dieser Größenordnung. Zusammen verwalten sie 4.815 Tiefgaragen oder Parkflächen.

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