Schulstart in Bayern: ADAC warnt vor Risiken für Erstklässler und fordert sichere Schulwege
Rund 131.000 Erstklässler starten in Bayern ins neue Schuljahr +++ Kinder können Gefahren im Straßenverkehr oft noch nicht richtig einschätzen +++ ADAC fordert sichere Schulwege und weniger Elterntaxis vor Schulen

München. Mit Beginn des neuen Schuljahres in Bayern machen sich in den kommenden Tagen rund 131.000 Kinder erstmals auf den Weg zur Schule. Weil Schulanfänger Gefahren im Straßenverkehr häufig noch nicht richtig einschätzen können, ruft der ADAC Südbayern Autofahrer zu besonderer Vorsicht auf. Gleichzeitig fordert der Mobilitätsclub sichere Schulwege und weniger Verkehr durch Elterntaxis vor Schulen.
Elterntaxis verschärfen die Situation vor den Schulen
Laut einer aktuellen bundesweiten Umfrage der ADAC Stiftung* gehen 58 Prozent der Erst- und Zweitklässler an mindestens drei Tagen pro Woche zu Fuß zur Schule. 18 Prozent nutzen regelmäßig das Fahrrad oder den Tretroller. Jedes vierte Kind wird mehrfach pro Woche mit dem Auto zur Schule gebracht oder von dort abgeholt.
Die Beweggründe der Eltern sind meist praktischer Natur. Aber auch Sicherheitsaspekte spielen eine Rolle. Vernachlässigt wird, dass damit ein weiteres Problem entsteht. Gerade vor Grundschulen sorgen haltende Fahrzeuge, Wendemanöver und unübersichtliche Verkehrssituationen für zusätzliche Risiken auf den letzten Metern bis zum Schuleingang.
Die Umfrage belegt dabei auch, dass Elterntaxis inzwischen selbst innerhalb der Elternschaft kritisch gesehen werden: 61 Prozent der Befragten finden, dass sich vor Schulen zu viele Autos befinden, die Kinder bringen oder abholen. 58 Prozent sind der Ansicht, dass dadurch gefährliche Verkehrssituationen entstehen.
„Die meisten Eltern sehen Elterntaxis kritisch, trotzdem wird noch immer jedes vierte Grundschulkind regelmäßig mit dem Auto zur Schule gebracht“, kommentiert Alexander Kreipl, Verkehrsexperte beim ADAC Südbayern, die Ergebnisse der Umfrage. „Viele Eltern handeln aus Fürsorge. Gleichzeitig tragen Elterntaxis aber oft zu genau den Gefahren bei, vor denen Kinder eigentlich geschützt werden sollen.“
Kommunen und Schulen in der Verantwortung
Nach Ansicht des ADAC Südbayern reicht es aber nicht aus, allein an Eltern zu appellieren. Vielmehr sind Kommunen und Schulträger gefragt, den Schulweg möglichst sicher zu gestalten. Die Umfrage zeigt, dass Eltern vor allem dann auf das Auto verzichten würden, wenn die Infrastruktur auf dem Schulweg verbessert wird. Dazu gehören sichere Geh- und Radwege, Schulweghelfer sowie Hol- und Bringzonen außerhalb des unmittelbaren Schulumfelds.
„Wer weniger Elterntaxis will, muss sichere Alternativen schaffen. Kinder brauchen Schulwege, die Eltern guten Gewissens nutzen lassen können“, sagt Kreipl. So unterstützen die Verkehrsexperten des ADAC Südbayern bei der Bewertung und Einrichtung von Elternhaltestellen wie zuletzt an der Platanenschule in Landsberg am Lech.
Zum Schulstart: Autofahrer müssen besonders aufmerksam sein
Aber auch an alle Autofahrer richtet der ADAC Südbayern zum Schulstart in Bayern einen dringlichen Appell: „Kinder bewegen sich im Straßenverkehr anders als Erwachsene. Gerade in den ersten Schulwochen müssen Autofahrer jederzeit damit rechnen, dass Kinder plötzlich die Straßenseite wechseln oder die Situationen falsch einschätzen. Deshalb ist jetzt besondere Aufmerksamkeit gefragt“, so Kreipl.
Besonders Erstklässler können Geschwindigkeiten, Entfernungen und Gefahrensituationen häufig noch nicht richtig einschätzen. Zudem reagieren Kinder oft spontan und lassen sich leicht ablenken. Autofahrer sollten daher im Umfeld von Schulen, an Fußgängerüberwegen, Ampeln, Kreuzungen und Bushaltestellen jederzeit bremsbereit sein und ihre Geschwindigkeit anpassen. Unachtsames und zu schnelles Fahren anderer Verkehrsteilnehmer ist auch die größte Sorge, die Eltern mit Blick auf den Schulweg ihrer Kinder haben. 50 Prozent der Befragten der ADAC Studie sehen darin die größte Gefahr.
* Grundlage der Ergebnisse ist eine Onlinebefragung von 1.000 Eltern von Schulkindern im Alter von 5 bis 15 Jahren, die den Schulweg ihres Kindes beurteilen können. Die Befragung wurde vom 22. Juni bis 2. Juli 2026 im Auftrag der ADAC Stiftung durchgeführt. Mehr Informationen unter: Elterntaxis auf dem Schulweg: Umfrage | ADAC Stiftung
