Gefahr durch Unaufmerksamkeit: Handynutzung am Steuer
Gefährliche Handyverstöße sind Alltag +++ hohe Dunkelziffer +++ breite Zustimmung für Handy-Blitzer

München. Ablenkung am Steuer kann tödlich sein. Rund 13 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle in Deutschland sind darauf zurückzuführen. Immer häufiger ist der Grund hierfür das Smartphone. Im Rahmen einer Verkehrsbeobachtung hat der ADAC nun untersucht, wie viele Personen zum Smartphone greifen. Und das nicht nur im Auto.
Hierzu fanden Verkehrsüberwachungen in fünf großen Städten Deutschlands statt, darunter auch München. Fokussiert wurde die Beobachtung bewusst auf den innerstädtischen und fließenden Verkehr, da das Gefährdungspotenzial hier besonders hoch ist. Das erschreckende Ergebnis: selbst im dichten Stadtverkehr begingen bundesweit 2,7 Prozent der Kfz-Fahrer einen Handyverstoß. Sei es „nur“ ein kurzes Checken des Displays oder gleich das Verfassen von Nachrichten. Auch Radfahrer greifen nicht selten zum Smartphone. Immerhin 1,4 Prozent der beobachteten Personen auf dem Zweirad wurden mit dem Smartphone in der Hand oder am Ohr angetroffen. In der bayerischen Landeshauptstadt liegen die Zahlen knapp unter dem bundesweiten Durchschnitt. In der Münchner Innenstadt wurden bei 1,8 Prozent der registrierten Kfz-Fahrer ein Handyverstoß festgestellt, bei den Radlern waren es 1,2 Prozent.
Hohe Dunkelziffer vermutet
Im außerstädtischen Bereich, auf Autobahnen oder Schnellstraßen dürfte die Handynutzung noch höher ausfallen. Diese Vermutung stützen auch die Ergebnisse einer begleitenden ADAC Umfrage. Hier gaben bundesweit 52 Prozent aller Autofahrer an, das Smartphone schon einmal während der Fahrt genutzt zu haben. Etwas mehr als 40 Prozent haben schon einmal eine gefährliche Situation erlebt, weil andere Personen ihr Handy im Straßenverkehr bedient haben. “Trotz unermüdlicher Hinweise und Kampagnen gegen die Handynutzung am Steuer sind die damit einhergehende Gefahr und Verantwortungslosigkeit leider noch nicht bei jedem angekommen”, so Verkehrsexperte Alexander Kreipl vom ADAC Südbayern.
Handy-Blitzer stößt auf breite Zustimmung
Knapp 70 Prozent der Befragten gaben ferner an, die Einführung sogenannter Handy-Blitzer zu befürworten. Solche Systeme, die mittels Kamera und künstlicher Intelligenz Handyverstöße automatisch erkennen können, würden zu einer besseren Ahndung von Verstößen führen. Bundesweit werden derzeit lediglich rund 400.000 Handyverstöße pro Jahr registriert und durch die Polizei geahndet. Rechnet man allein die prozentualen Ergebnisse des innerstädtischen ADAC Tests auf das jährliche Gesamtverkehrsaufkommen in Deutschland hoch, würde dies jedoch allein bei Kfz-Fahrern rund eine Milliarde Verstöße in Verbindung mit dem Smartphone bedeuten, die potenziell geahndet werden könnten.
Aktuell sind Handy-Blitzer in Rheinland-Pfalz bereits im Einsatz. Auch andere Bundesländer beobachten den Versuch in Rheinland-Pfalz aufmerksam. Der ADAC zeigt sich dem Einsatz von Handy-Blitzern gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen, sofern der Datenschutz gewährleistet ist. “Besser und sicherer als jede Ahndung ist es jedoch, wenn Fahrer grundsätzlich ihre Finger vom Handy lassen und sich voll auf den Straßenverkehr konzentrieren”, so Alexander Kreipl.
Hohe Strafen, noch höhere Gefahren
Wer mit dem Smartphone am Ohr oder in der Hand erwischt wird, muss mit klar definierten Folgen rechnen. Im Auto werden bei einem Handyverstoß mindestens ein Bußgeld von 100 Euro sowie ein Punkt ins Flensburg fällig, auf dem Rad sind es immerhin noch 55 Euro Bußgeld. Viel dramatischer sind aber die Folgen für die Sicherheit. Bereits eine Ablenkung von wenigen Sekunden kann tödliche Konsequenzen haben. So legt ein Auto mit 50 km/h in zwei Sekunden fast 30 Meter zurück. Sind die Augen dabei nicht auf das Verkehrsgeschehen gerichtet, kann es schnell gefährlich werden.
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