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Südbayern | 10.09.2020

ADAC hilft bei der Besucherlenkung im Allgäu

Als Staatssekretär im Verkehrsministerium hatte er die Landrät*innen und einige Bürgermeister*innnen noch eingeladen, aber auch als Staatssekretär im Gesundheitsministerium ist Klaus Holetschek das Thema weiterhin besonders wichtig: In diesem Corona-Sommer waren einige besonders beliebte Ausflugsziele im Allgäu an noch mehr Tagen als schon in den letzten Jahren besonders gefragt. Jetzt geht es um die Suche nach Verkehrslösungen.

Das Schloss Neuschwanstein gehört nicht nur zu den beliebtesten, sondern auch zu den überlaufendsten Ausflugszielen in Bayern. Damit es mit der Besucherlenkung bei der Anreise besser klappt, machen Politik und Experten jetzt gemeinsame Sache.

Die Folge des durch Corona noch verstärkten Touristenansturms waren überfüllte Parkplätze, Parksuchverkehr und wildes Parken auch in geschützten Gebieten. Holetschek betont: „Wir müssen jetzt loslegen und den Mut haben, Dinge zu testen und noch nicht alles bis ins letzte Detail festzulegen.“ Auch der ADAC Südbayern ist bei der Suche nach Lösungen im Boot.


In Gesprächsrunden mit dem Fraunhofer Institut (IML), sowie mit der Hochschule Kempten, Prof. Dr. Alfred Bauer, Leiter des Neuen Bayerischen Zentrums für Tourismus e.V., sowie mit Bürgermeister*innen und Touristiker*innen im Allgäu wurden über den Sommer Projektvorschläge entwickelt. Deutlich wurde dabei, dass die Besucherlenkung für den Tagestourismus mit dem Schwerpunkt Parkplätze eine besondere Aktualität und Brisanz hat.

Große Einigkeit in den politischen Reihen
Die auf Initiative von Staatssekretär Klaus Holetschek versammelten Politiker*innen waren sich einig, dass es zu diesem Thema nur gemeinsame Lösungen geben kann. Kurz- und mittelfristig sehen die Teilnehmer vor allem die Steuerung des Individualverkehrs als zielführend an. In der Region besteht deshalb der dringende Wunsch Lösungsmöglichkeiten für diese in manchen Orten vorhandene Ausnahmesituation zu erarbeiten und umzusetzen. Dabei wünschen sich Orte und Landkreise ein individuelles, möglichst in Echtzeit und unter Einbeziehung des Öffentlichen und Schienen-Personen-Nahverkehr (ÖPNV und SPNV), agierendes System, welches bei Überfüllung der Parkkapazitäten vorzeitig Alternativempfehlungen ausspielt. Zusammenfassend kann hier der Begriff gelten, es geht um ein „umweltsensitives Routing“.

So sieht der 2-Stufen-Plan aus:
Die Geschäftsführung der Allgäu GmbH hat bei der Sitzung einen Vorschlag vorgelegt der ein zweistufiges Vorgehen vorsieht:

  • Analyse verkehrlicher Hotspots, Konzeptionierung und Ausschreibung eines digitalen Parkraummanagementsystems für die betroffenen Gebiete als Sofortmaßnahme
  • Verkehrsträgerübergreifende Analyse der Situation im gesamten Allgäu, Entwicklung eines Leitbildes für die Mobilität im Allgäu und darauf abgestimmte Maßnahmen zur Verkehrssteuerung (integriertes Mobilitätskonzept)


Folgende Arbeitsschritte sollen hierbei umgesetzt werden:

  • Konzeptionierung eines digitalen Parkraummanagementsystems zur vorzeitigen Informa- tion und Empfehlung, während der Gästeanreise. Über die konkreten Umsetzungen entscheiden die Kommunen.
  • Messung von Tagesbesucherverkehren innerhalb und von außerhalb des Allgäus, z.B. über Analyse von Mobilfunkdaten.
  • Betreuung des Projektes über einen Verkehrsmanager.

Vorgesehener Zeitplan: Antragstellung und Ausschreibung bis Jahresende 2020, Projektbeginn im Januar 2021 und Umsetzung in 2021 und 2022

ADAC Südbayern als moderierender und impulsgebender Partner
Als weiterer wichtiger Akteur für das Projekt konnte der ADAC Südbayern mit seinem Geschäftsführer Christoph Walter gewonnen werden. „Der ADAC bringt sich als moderierender, koordinierender und impulsgebender Partner ein. Ziel sollten praxisorientierte Lösungen sein, die nicht auf Gutachten, sondern in erster Linie auf Umsetzungserfahrungen beruhen. Der ADAC kann fachliche Denkanstöße in den Bereichen Verkehr und Tourismus beisteuern“, betont Walter. Alle anwesenden Bürgermeister*innen machten deutlich, dass sie sich auch ein deutlich größeres Engagement von der Deutschen Bahn AG in der Region erwarten. Veränderungsprozesse können nur im Schulterschluss mit der Bahn erfolgen.

Die Aufsichtsratsvorsitzende der Allgäu GmbH, Maria Rita Zinnecker, betonte, das Thema Mobilität habe Priorität, um sowohl Einheimischen als auch Gästen gleichermaßen Wohn-, Arbeits- und Urlaubsqualität zu garantieren. Auch darf es keine Gäste erster und zweiter Klasse geben. „Nur wenn es uns gelingt, diesen Konflikt der räumlich und zeitlich auftretenden Überfüllung der Straßen, Parkplätze und Sehenswürdigkeiten, darin eingeschlossen auch so mancher Gipfel und Berghütte, zu lösen, werden wir als attraktive Region für Tourismus und Standort mit hoher Lebensqualität wahrgenommen,“ erklärte Zinnecker.


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