NRW-Verkehrsunfallbilanz 2025: Das sagt der ADAC Nordrhein
Mehr E-Scooter-Unfälle, Pedelec-Unfälle, illegale Autorennen und Alkohol-/Drogenkonsum im Straßenverkehr: Prof. Roman Suthold, Verkehrsexperte des ADAC Nordrhein und verkehrspolitischer Sprecher des ADAC in NRW, nimmt Stellung zur NRW-Verkehrsunfallbilanz 2025.
Statements von Prof. Dr. Roman Suthold, Verkehrsexperte des ADAC Nordrhein und verkehrspolitischer Sprecher des ADAC in NRW, zur NRW-Verkehrsunfallbilanz 2025:
Prof. Dr. Roman Suthold zur NRW-Verkehrsunfallbilanz 2025: "Die Unfallzahlen sind zu hoch. Gerade im urbanen Umfeld, wo sich Autos, Radfahrer, Fußgänger, E-Scooter und ÖPNV sehr begrenzte Flächen im Straßenraum teilen, müssen insbesondere die schwächeren Verkehrsteilnehmer stärker geschützt werden. Da, wo es eng ist, wird es schnell brenzlig. Konflikte entstehen insbesondere dann, wenn Regeln nicht eingehalten werden oder Verkehrsteilnehmer unaufmerksam sind.
Um die Unfallzahlen zu senken, fordern wir von allen Verkehrsteilnehmern mehr Rücksichtnahme. Wer das eigene Weiterkommen stört, wird heute schnell zum Feindbild und das Verständnis füreinander schwindet. Unbelehrbaren Verkehrsteilnehmern müssen durch intensive Kontrollmaßnahmen, idealerweise als Anhaltekontrollen durch die Polizei, die Grenzen aufgezeigt werden.
Für mehr Verkehrssicherheit an Unfallschwerpunkten können Beschilderungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder bauliche Maßnahmen sorgen, die dem Prinzip der fehlerverzeihenden Straße folgen und möglichst die Komplexität im Straßenverkehr reduzieren.
Außerdem darf die Sanierung der Straßeninfrastruktur darf nicht vernachlässigt werden. Schlaglochpisten sind insbesondere für Zweiradfahrer (Motorrad, Fahrrad, E-Scooter) eine große Gefahr und können schwere Unfälle verursachen."
Prof. Dr. Roman Suthold zur gestiegenen Zahl an E-Scooter-Unfällen: "Den Menschen muss klargemacht werden, dass E-Scooter keine Tretroller sind, mit denen man als Kind über den Hof gefahren ist. Fahrten zu zweit oder unter Alkoholeinfluss erhöhen das Unfallrisiko nochmal dramatisch. Mehr Kontrollen durch das Ordnungsamt oder die Polizei wären wünschenswert, damit auch Sanktionsmöglichkeiten stärker genutzt werden können, um die Regeln durchzusetzen. Der ADAC selbst plant zur E-Scooter-Nutzung ein eigenes Verkehrssicherheitsprogramm in Kooperation mit weiterführenden Schulen, um dem Problem präventiv entgegenzuwirken."
Prof. Dr. Roman Suthold zur gestiegenen Zahl an Pedelec-Unfällen: "Pedelecs werden auch bei jüngeren Menschen immer beliebter. Das höhere Gewicht und die stärkere Beschleunigung im Vergleich zum herkömmlichen Fahrrad werden häufig unterschätzt, und zwar von Menschen aller Altersgruppen. Wir empfehlen deswegen, den sicheren Umgang mit dem Pedelec regelmäßig zu üben, zum Beispiel bei Fahrtrainings von ADAC oder Polizei. So lassen sich nicht nur Stürze, sondern auch viele gefährliche Situationen im Straßenverkehr vermeiden."
Prof. Dr. Roman Suthold zum Thema Rasen und illegale Kfz-Rennen: "Statt sich an Recht und Gesetz zu orientieren, legen manche Menschen die Regeln nach eigenem Ermessen aus und bewerten einen persönlichen Adrenalin-Kick, also ihren kurzfristigen Vorteil, höher, als die Gefahr erwischt zu werden und durch eine Bestrafung langfristig Nachteile zu erfahren. Dass sie damit andere Verkehrsteilnehmer gefährden und ihr Verhalten oftmals fatale Folgen haben kann, wird in den Momenten billigend in Kauf genommen.
Wichtig ist aus Sicht des ADAC eine hohe Kontrolldichte durch die Polizei, sonst bleiben selbst drastische Strafen beinahe wirkungslos. Es ist unwahrscheinlich, dass Verkehrsteilnehmer, die sich bisher nicht an die Regeln halten und zum Beispiel regelmäßig viel zu schnell unterwegs sind, ihr Verhalten ändern, wenn sie nicht oder kaum damit rechnen müssen, erwischt zu werden. Nur wenn angemessene Strafen und eine hohe Wahrscheinlichkeit auf frischer Tat ertappt zu werden zusammenwirken, besteht zumindest eine Chance, dass sich auch diese Verkehrsteilnehmer besser an die Regeln halten.
Wer Autorennen fahren möchte, kann das gerne auf der Spielkonsole oder der Rennstrecke machen, aber nicht im öffentlichen Straßenverkehr.
Wir sprechen uns auch dafür aus, den Lernzeitraum bei der Fahrausbildung zu erweitern und eine Rückmeldeschleife in gewissem zeitlichen Abstand nach Erhalt der Fahrerlaubnis einzubauen. So kann die eigene Fahrkompetenz unter Anleitung eines Coaches selbstkritisch überprüft werden. Auf diese Weise ließe sich das Risikoverhalten junger Menschen gezielt ansprechen. Erfahrungen aus Nachbarländern wie Österreich zeigen: Neben dem Begleiteten Fahren kann eine solche verpflichtende Weiterbildung für Führerschein-Neulinge die Unfallzahlen von Jugendlichen/jungen Erwachsenen erfolgreich verringern.
Dabei können Fahrsicherheitstrainings eine wichtige Rolle einnehmen, wenn diese die fahrerischen Grenzen im geschützten Raum bei den Teilnehmern offenlegen. Es gilt bei dieser Zielgruppe nicht eine Perfektionsstufe zu erreichen, sondern die Selbstwahrnehmung der realen Fahrkompetenz anzugleichen. Wer die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert, soll spüren, dass er nicht in der Lage ist, dieses wieder auf Kurs zu bringen. So können Themen wie Ablenkung oder Übermut durch eigenes Erleben nachhaltig adressiert werden."
Prof. Dr. Roman Suthold zum Alkohol-/Cannabis-Konsum im Straßenverkehr: "Drogen und Autofahren passen nicht zusammen. Auch Personen, die unter der Wirkung von Cannabis stehen, sollten kein Kraftfahrzeug führen. Der Konsum von Cannabis ist unter anderem mit Einschränkungen der Konzentration und Aufmerksamkeit sowie einer Verlängerung der Reaktions- und Entscheidungszeit verbunden. Dies kann im Straßenverkehr fatale Folgen haben.
Viele Autofahrer sind sich nicht bewusst, dass auch der Konsum von geringen Mengen Alkohol Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit hat. Autofahrer müssen in kürzester Zeit zahlreiche Informationen und Sinneseindrücke aufnehmen und verarbeiten. Manchmal wird eine Reaktion im Bruchteil einer Sekunde notwendig, um zum Beispiel einen Unfall zu vermeiden. Dies erfordert schon in nüchternem Zustand körperliche und geistige Höchstleistungen. Außerdem steigt durch Alkohol die Risikobereitschaft, Geschwindigkeiten werden falsch eingeschätzt.
Aus Sicht des ADAC sollte das absolute Alkoholverbot im Straßenverkehr auf Fahrerinnen und Fahrer bis zum 24. Lebensjahr ausgeweitet werden."
Hintergrund: Der ADAC in Nordrhein-Westfalen ist Partner der NRW-Initiative #sicherimStraßenverkehr, einem Zusammenschluss von verschiedenen Protagonisten der Verkehrssicherheitsarbeit. Die Initiative verfolgt das Ziel, mit gemeinsamen Aktionen die Anzahl der Verkehrsunfälle zu reduzieren und für die Gefahren des Straßenverkehrs zu sensibilisieren.
Die Pressemitteilung des NRW-Innenministeriums zur Verkehrsunfallsbilanz 2025: Verkehrsunfallbilanz 2025: Weniger Tote, mehr Drogen am Steuer, mehr illegale Autorennen | IM
Fotos von Prof. Dr. Roman Suthold zur redaktionellen Verwendung (Quellenangabe) finden Sie hier https://cloud.adac-nrh.de/s/YGJoDeMz6WBfwPY
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