Handy am Steuer: ADAC Verkehrsbeobachtung und Umfrage zeigen hohes Ablenkungsrisiko
Eine aktuelle Verkehrsbeobachtung des ADAC in fünf deutschen Großstädten zeigt, dass Handyverstöße bei der Fahrt mit Auto und Fahrrad nach wie vor ein alltägliches Phänomen sind. Auch in Köln registrierte der Mobilitätsclub zahlreiche Verstöße.

Trotz hoher Unfallgefahr greifen viele Verkehrsteilnehmer während der Fahrt zum Smartphone. Eine aktuelle Verkehrsbeobachtung des ADAC in fünf deutschen Großstädten zeigt, dass Handyverstöße bei der Fahrt mit Auto und Fahrrad nach wie vor ein alltägliches Phänomen sind. Auch in Köln registrierte der Mobilitätsclub zahlreiche Verstöße bei Kontrollen am Konrad-Adenauer-Ufer sowie an der Zülpicher Straße.
Bei der bundesweiten Untersuchung wurden insgesamt 9573 Kfz-Fahrer und 9239 Radfahrer (inklusive E-Bike- und E-Scooter-Fahrer) beobachtet. Dabei stellten die Tester fest: 2,7 Prozent der Kfz-Fahrer und 1,4 Prozent der Radfahrer nutzten beim Vorbeifahren das Handy. Rechnet man dieses Ergebnis auf das gesamte Kfz-Verkehrsaufkommen in Deutschland im Jahr hoch, ergibt sich daraus eine enorme Zahl von rund einer Milliarde Verstöße – und damit ein hohes Risiko für die Verkehrssicherheit. In Köln hatten 2,4 Prozent der Kfz-Fahrer ein Smartphone in der Hand, bei den Radfahrern waren es 1,5 Prozent.
„Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Nutzung des Smartphones während der Fahrt für manche Menschen offenbar zur Gewohnheit geworden ist. Dabei wird das Risiko häufig unterschätzt“, sagt Prof. Dr. Roman Suthold, Verkehrsexperte im ADAC Nordrhein. „Wer auch nur wenige Sekunden auf das Display schaut, ist im Stadtverkehr praktisch blind unterwegs. Gerade in einer Großstadt wie Köln kann das schwerwiegende Folgen für alle Verkehrsteilnehmer haben.“
Die Beobachtungen in Köln fanden an zwei stark frequentierten Verkehrsachsen statt. Autofahrer wurden am Konrad-Adenauer-Ufer auf Höhe der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (neben dem Musical Dome) kontrolliert. Radfahrer beobachteten die Tester an der Zülpicher Straße auf Höhe des Grüngürtels. Wie auch bundesweit zeigte sich, dass die Verkehrsteilnehmer das Smartphone bei den meisten Verstößen nicht zum Telefonieren am Ohr nutzten, sondern in der Hand hielten, um Nachrichten zu lesen, zu schreiben oder andere Funktionen zu bedienen.
Bereits ein kurzer Blick auf das Handy kann gefährlich werden, denn dabei kommt es zur sogenannten „Inattentional Blindness“, einer Unaufmerksamkeits-Blindheit: Man fokussiert die Aufmerksamkeit so auf das Smartphone, dass Umgebungsreize und Hinweise auf mögliche Gefahren komplett ausgeblendet werden. Wer bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern lediglich zwei Sekunden auf das Display schaut, legt fast 30 Meter zurück, ohne auf das Verkehrsgeschehen zu achten.
„Ablenkung zählt zu den größten Sicherheitsrisiken im Straßenverkehr. Wer während der Fahrt Nachrichten liest oder tippt, reagiert gar nicht oder zu spät auf Gefahrensituationen. Deshalb haben Unfälle, die auf Ablenkung zurückzuführen sind, häufig so verheerende Folgen“, erklärt Suthold. „Das gilt nicht nur für Autofahrer, sondern ebenso für Radfahrer. Auch auf dem Fahrrad kann ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit zu schweren Unfällen führen.“
Ergänzend zur Verkehrsbeobachtung hat der ADAC die Bevölkerung zur Smartphone-Nutzung im Straßenverkehr befragt. Mehr als jeder zweite Autofahrer gab zu, das Smartphone bereits während der Fahrt genutzt zu haben. Gleichzeitig berichteten 41 Prozent der Autofahrer von gefährlichen Situationen, die sie im Zusammenhang mit der Handynutzung anderer Verkehrsteilnehmer erlebt haben.
Aus Sicht des ADAC sind deshalb verstärkte Kontrollen ein wichtiger Baustein für mehr Verkehrssicherheit. Zudem spricht sich in der ADAC Umfrage eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung für den Einsatz sogenannter Handy-Blitzer aus, die Verstöße automatisiert erfassen können. Auch der ADAC befürwortet es, moderne Technik einzubeziehen, um Handyverstöße konsequent verfolgen zu können. „Neben Aufklärung brauchen wir eine konsequente Überwachung bestehender Regeln. Nur wenn die Gefahr der Entdeckung steigt, wird sich das Verhalten vieler Verkehrsteilnehmer nachhaltig ändern“, so der ADAC Verkehrsexperte.
Für den ADAC ist entscheidend, dass beim Einsatz von Handyblitzern, wie bei allen kamerabasierten Überwachungen, dem Datenschutz ein hoher Wert beigemessen wird. Grundlage für den flächendeckenden Einsatz ist ein rechtssicheres Fundament, welches sowohl den Einsatz, die Beweisführung als auch die Ahndung des Handyverstoßes legitimiert.
Die Verkehrsbeobachtung wurde in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München durchgeführt. Insgesamt registrierten die Tester 262 Handyverstöße bei Kfz-Fahrern sowie 125 Verstöße bei Radfahrern (inklusive E-Bike- und E-Scooter-Fahrer).
Weitere Infos zur ADAC Verkehrsbeobachtung finden Sie unter https://www.adac.de/handyverstoss
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