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Nordrhein-Westfalen | 02.01.2026

Autofahren im Winter: Der ADAC Nordrhein beantwortet die wichtigsten Fragen

Wenn die Temperaturen sinken, kann Autofahren zur Herausforderung werden. Der ADAC Nordrhein erklärt, wie sich Autofahrer vorbereiten sollten.

Temperaturen um den Gefrierpunkt, glatte Straßen und Schneefälle sorgen im Winter generell für eine erhöhte Unfallgefahr. In den kommenden Tagen wird es laut Deutschem Wetterdienst zunehmend frostiger in Nordrhein-Westfalen. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte spätestens jetzt sein Fahrzeug auf die besonderen Bedingungen im Winter vorbereiten und seine Fahrweise anpassen. Der ADAC Nordrhein beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Autofahren im Winter und gibt Tipps:

Ab wann sind Winterreifen Pflicht?
Ein festes Datum gibt es nicht. In Deutschland gilt laut Straßenverkehrsordnung eine situative Winterreifenpflicht. Bedeutet: Bei winterlichen Straßenverhältnissen, sprich Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte dürfen Autofahrer nur mit Winterreifen unterwegs sein. Entscheidend ist das Alpine-Symbol (Berg mit Schneeflocke) auf der Reifenflanke. Ganzjahresreifen mit diesem Symbol gelten rechtlich als Winterreifen. Reifen, die noch ausschließlich die M+S-Kennzeichnung (Matsch und Schnee) tragen, reichen seit 2024 nicht mehr aus.

Was droht mir, wenn ich bei winterlichen Verhältnissen mit Reifen ohne Alpine-Symbol fahre?
Autofahrer, die bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Reifen ohne Alpine-Symbol unterwegs sind, fahren rechtlich gesehen mit Sommerreifen. Damit wird man zu einem unkalkulierbaren Sicherheitsrisiko für sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer. Außerdem drohen dem Fahrer ein Bußgeld von mindestens 60 Euro und möglicherweise auch ein Punkt in Flensburg. Sofern Fahrer und Halter nicht die gleiche Person sind, wird auch der Halter bestraft, mit 75 Euro und einem Punkt. Kommt es zu einem Unfall, kann die Kaskoversicherung ihre Leistungen wegen grober Fahrlässigkeit erheblich kürzen.

Wie mache ich das Auto sonst noch winterfit?
Vor dem Wintereinbruch sollten Autofahrer ihren Kühlerfrostschutz prüfen. Das Frostschutzmittel sollte das Kühlsystem auch bei -25 Grad Celsius vor Eis schützen. Beim ADAC (Prüfzentrum/Mobile Prüfstation), an der Tankstelle oder in der Werkstatt lässt sich das mit einem kleinen Prüfgerät einfach und schnell kontrollieren. Ist der Kühlwasserstand unter die Minimum-Markierung abgesunken, empfiehlt der ADAC Nordrhein, die Ursache in der Werkstatt feststellen zu lassen.

Für das Wischwasser in der Scheibenwischanlage empfiehlt der ADAC Nordrhein ein fertiges Gemisch aus Frostschutz und Scheibenreiniger, der Temperaturen von mindestens -15 Grad standhält. Der Behälter der Scheibenwischanlage sollte vorher möglichst komplett entleert werden, damit sich der Winter-Scheibenreiniger nicht mit der Sommer-Flüssigkeit vermischt. Andernfalls erreicht der Scheibenreiniger für den Winter oft nicht die Frostschutzwerte, die auf der Verpackung angegeben sind.

Alte Wischerblätter, die Schlieren auf der Scheibe hinterlassen, sollten gegen neue ausgetauscht werden. Noch ein Tipp: Über Nacht unter die Scheibenwischergummis Isolationsfolie legen, damit sie nicht anfrieren und beschädigt werden.

Woran erkenne ich, ob die Batterie noch genug Power hat?
Eine gesunde Batterie schafft es auch bei starken Minusgraden das Auto ohne Verzögerung zu starten. Bringt der Anlasser schon bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt den Motor nur mit Mühe in Gang, kann eine gealterte Batterie dahinterstecken. Oft wird dieses Symptom dadurch begleitet, dass das Abblendlicht beim Startversuch stark herunterdimmt oder flackert.

Einen weiteren Hinweis bieten Fahrzeuge, die im Bordcomputer die Batteriespannung anzeigen. Bei einer intakten Autobatterie beträgt die Spannung im vollgeladenen Zustand um die 12,8 Volt. Werte zwischen 12,4 und 12,8 Volt gelten noch als ausreichend. Sollte die Batterie diese Werte gar nicht erreichen oder fällt die Spannung nach kurzer Zeit wieder unter 12 Volt ab, ist die Batterie nicht mehr funktionstüchtig und sollte ersetzt werden.

Grundsätzlich ist die 12V-Bordbatterie („Starterbatterie“) ein Verschleißteil, das nach einer gewissen Zeit ausgetauscht werden muss. Die übliche Lebensdauer liegt ungefähr bei vier bis fünf Jahren. Das Alter einer Batterie ist meist auf dem Etikett abgedruckt. Fast immer ist es zusätzlich in der Nähe der Pole eingestanzt. Einen Batterietest kann man zum Beispiel beim ADAC oder in einer Werkstatt machen.

Freikratzen der Scheiben im Winter ist Pflicht. Was muss ich noch von Eis und Schnee befreien?
Vor dem Losfahren muss das Auto komplett von Schnee und Eis befreit werden. Ein kleines Guckloch in der Frontscheibe reicht nicht aus. Auch die Außenspiegel, das Dach, Kennzeichen sowie Scheinwerfer und Blinker müssen frei sein. So werden andere Verkehrsteilnehmer nicht durch herabfallenden Schnee oder Eisstücke gefährdet. Wer sein Autodach nicht freiräumt, muss 25 Euro zahlen, verdeckte Scheinwerfer oder Blinker kosten zehn Euro. Ist das Kennzeichen nicht erkennbar, werden fünf Euro fällig.

Mit dem Eiskratzer immer in eine Richtung über die Scheibe fahren und nicht mit zu viel Druck hin und her kratzen. Sonst wirken Schmutzpartikel wie Schmirgelpapier. Die Scheiben mit heißem Wasser zu enteisen, ist übrigens keine gute Idee. Es besteht die Gefahr, dass die vereisten Scheiben aufgrund des Temperaturunterschieds Risse bekommen oder sogar springen. Generell gilt: Den Motor beim Eiskratzen und Schneefegen nicht im Stand laufen lassen. Wer es dennoch tut, verursacht unnötigen Lärm, Abgase und riskiert ein Bußgeld von 80 Euro.

Ein Gummipflegestift verhindert das Anfrieren der Autotüren. Von dem Einsatz von Vaseline oder Hirschtalg rät der ADAC Nordrhein ab. Eine kleine Flasche Türschlossenteiser in der Jackentasche hilft bei älteren Fahrzeugen mit eingefrorenen Schließzylindern.

Was sollte ich im Winter alles im Auto dabeihaben?
Mit an Bord sollten Eiskratzer, Handfeger, eine Abdeckfolie für die Frontscheibe, ein Microfasertuch (für die Scheibenreinigung von innen) und evtl. auch Enteisungsspray und ein Starthilfekabel sein. Eine Decke und Thermoskanne mit heißem Tee sind bei längeren Fahrten hilfreich. Wer für das Risiko ausgerüstet sein will, bei massivem Schneefall stecken oder liegen zu bleiben, der kann auch eine Schaufel, etwas Streusplit oder Sand und ein Abschleppseil im Kofferraum verstauen. Wichtig: Vor der Fahrt in den Skiurlaub prüfen, ob am Zielort eine Schneekettenpflicht besteht.

Wieso sollte ich vor der Fahrt die Jacke ausziehen?
Gerade im Winter ist die Verlockung groß, beim Einstieg ins kalte Auto die dicke Jacke anzulassen. Doch das kann schlimme Folgen haben. Ein ADAC Crashtest belegt: Wenn der Beckengurt nicht eng am Körper anliegt, schneidet er bei abruptem Bremsen tief in den Bauchraum ein. Das kann schwerwiegende innere Verletzungen verursachen, und zwar schon bei Unfällen oder Bremsmanövern mit geringer Geschwindigkeit.

Der ADAC Nordrhein rät deshalb, die Winterjacke vor Fahrtantritt auszuziehen. Ansonsten sollte zumindest die Jacke aufgemacht und der Gurt direkt am Körper entlanggeführt werden. Besonders wichtig: Auch Kinder sollten ohne Jacke in ihrem Sitz angegurtet werden, so dass der Beckengurt die Oberschenkel (bei Erwachsenen die Hüftknochen) eng umspannt. Gegen die Kälte hilft eine Decke oder aufgelegte Jacke.

Was hilft gegen beschlagene Autoscheiben?
Eine Patentlösung, die verhindert, dass Scheiben von innen beschlagen, gibt es nicht. Auch Mittel aus dem Haushalt wie Salz oder Zeitungspapier helfen nur bedingt. Der ADAC Nordrhein empfiehlt, ein Microfaser- oder Geschirrtrockentuch im Auto zu haben und damit die Scheibe von innen zu reinigen. Ein No-Go: Kondenswasser mit dem Ärmel des Pullis oder der Hand wegwischen, sonst sieht man oft weniger als vorher. Richtig frei wird die Sicht, wenn die Klimaanlage kurzzeitig auf die Frontscheibe ausgerichtet wird.

Was muss ich beim Fahren im Winter beachten?
Auf nassen, vereisten oder verschneiten Straßen sollte man besonders vorsichtig und vorausschauend fahren. Das bedeutet: die Geschwindigkeit den Witterungsbedingungen anpassen, sanft bremsen und lenken und einen größeren Abstand als den sonst empfohlenen „halben Tacho“ einhalten. Niedertouriges Fahren im hohen Gang erleichtert das Weiterkommen auf glatten Straßen. Die Reifen bauen besseren Grip auf. Bei einem Auto mit Schaltgetriebe kann es helfen, bei extremer Glätte im zweiten Gang anzufahren.

Wer ein Gefühl für die veränderten Straßenverhältnisse bekommen möchte, kann eine kurze Bremsprobe durchführen, wenn es die Verkehrssituation gefahrenfrei zulässt. Grundsätzlich zieht sich der Bremsweg auf einer vereisten Straße deutlich länger als auf trockenem Asphalt: Bei einer Vollbremsung aus einer Geschwindigkeit mit 50 km/h beträgt der Bremsweg auf Eis etwa 100 Meter, bei trockenem Untergrund elf Meter.

Wie man sein Fahrzeug auch unter schwierigsten Bedingungen sicher beherrscht, können Autofahrer bei einem Training in einem der sechs ADAC Fahrsicherheitszentren in NRW lernen (Weilerswist, Grevenbroich, Olpe, Haltern/Recklinghausen, Paderborn, Rüthen).

Wie schnell darf man bei Schnee und Eis fahren?
Auch wenn es vor Ort ein explizites Tempolimit gibt, dürfen Autofahrer bei Schneefall oder vereisten Straßen immer nur so schnell fahren, wie sie ihr Fahrzeug noch beherrschen. Das kann also, je nach Umständen, auch langsamer als gesetzlich erlaubt sein. Ist die Sichtweite bei Schneefall geringer als 50 Meter, gilt tatsächlich eine Geschwindigkeitsbegrenzung: Dann darf nicht schneller als 50 km/h gefahren werden.

Wie verhalte ich mich, wenn ich mit meinem Fahrzeug ins Schleudern gerate?
Wer trotz angepasster Fahrweise auf gerader Strecke plötzlich ins Rutschen gerät, sollte laut ADAC Nordrhein vier Dinge tun: Fuß vom Gaspedal nehmen, auskuppeln, schnell aber gefühlvoll gegenlenken und bremsen. Das ESP unterstützt beim Stabilisieren des Autos. Beim Automatikgetriebe gilt Ähnliches: Fuß vom Gas nehmen, die Schaltstufe allerdings nicht verändern, weil das hier keine Auswirkungen hat, gefühlvoll gegenlenken und bremsen. Wenn das Fahrzeug nicht mehr reagiert, hilft nur eine Vollbremsung.

Gerät der Wagen in der Kurve aus der Bahn, sollten Autofahrer keine hektischen Manöver unternehmen, sondern fest und nachhaltig aufs Bremspedal treten. Dabei versuchen, am Steuer locker zu bleiben und nur sanft korrigieren. Mit ein paar Stundenkilometern weniger lässt sich das Auto oft schon wieder besser kontrollieren. Grundsätzlich gilt: Wer langsam fährt, kann dadurch die Rutschgefahr reduzieren.

Was muss ich bei Blitzeis tun?
Wird vor Blitzeis oder Eisregen gewarnt, ist es besser, das Auto stehen zu lassen. Die Haftung zwischen Reifen und Straße ist gleich null - auch ABS, ESP und Ketten helfen bei Blitzeis nicht mehr. Der ADAC Nordrhein empfiehlt, sich rechtzeitig vor Fahrtantritt über die aktuellen Straßenverhältnisse zu informieren. Wer unterwegs vom Eisregen überrascht wird, sollte lieber eine Pause einlegen und dort im Zweifel auf den Streudienst warten.

Blitzeis oder Eisregen entsteht, wenn Regen oder Nebel auf eine gefrorene Fahrbahn treffen. Die Folge: Das Wasser gefriert sofort und bildet eine harte, glasige, zusammenhängende Eisschicht, Oft entsteht Blitzeis an Tagen mit schwankenden Temperaturen um den Gefrierpunkt: Durch das wechselnde Tauen und Frieren ändert sich die Fahrbahnbeschaffenheit ständig.

Mit welchem Licht sollte man in Winter unterwegs sein?
Bei schlechter Sicht muss entsprechend der Straßenverkehrsordnung auch am Tag das Abblendlicht eingeschaltet werden. Viele Autofahrer verlassen sich auf die Lichtautomatik, die das Abblendlicht selbstständig aktiviert. Aufkommende Nebelbänke erkennt der Lichtsensor teilweise allerdings nicht. Deshalb rät der ADAC Nordrhein, das Abblendlicht am besten manuell einzuschalten. Wenn nur das Tagfahrlicht aktiviert ist, fehlen in der Regel die Rückleuchten. Das eigene Auto wird so bei Schneetreiben oder diffusem Licht im Winter vom nachfolgenden Verkehr kaum wahrgenommen.

Wenn die Sichtweite z.B. durch Nebel oder Regen weniger als 150 Meter beträgt, können die Nebelscheinwerfer helfen. Die Nebelschlussleuchte wiederum darf inner- wie außerorts nur bei Nebel und einer Sichtweite unter 50 Metern eingeschaltet werden. Haben sich die Sichtverhältnisse wieder gebessert, das Ausschalten nicht vergessen, sonst blendet man andere Verkehrsteilnehmer.

Wie lange halten Elektroautos im Stau durch?
Wer mit seinem Elektroauto für Stunden oder sogar über Nacht bei Minustemperaturen im Stau steht, muss nicht „erfrieren“. Der ADAC hat die Akkukapazität verschiedener Elektroautos unter realistischen Bedingungen getestet. Bei Temperaturen zwischen -9 und -14 Grad Celsius wurden die Fahrzeuge mit einer Innenraumtemperatur von 22 °C, aktiver Sitzheizung sowie Standlicht über Nacht abgestellt. Das Ergebnis: Nach 12 Stunden waren zum Beispiel beim Renault Zoe etwa 70 Prozent des Akkus verbraucht. Mit einem Elektroauto im Stau darf die Heizung also auch bei eisiger Kälte problemlos mehrere Stunden auf Wohlfühltemperaturen laufen. Ausschlaggebend dabei ist natürlich, wie voll die Batterie zu Staubeginn ist.

Der ADAC Nordrhein empfiehlt daher, bei längeren Fahrten mit frostigen Temperaturen unbedingt nur mit einem voll aufgeladenen Akku loszufahren - genau wie bei Verbrennern mit einem vollen Tank. Die Reichweite von E-Autos reduziert sich in Abhängigkeit der winterlichen Einflüsse um etwa 10 bis 30 Prozent, kann bei Minusgraden auf Kurzstrecken aber auch um bis zu 50 Prozent sinken.

Ein O-Ton-Paket (Audio) für die redaktionelle Verwendung können Sie hier herunterladen.

 


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