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Nordrhein-Westfalen | 14.07.2026

ADAC Test: Zustand von Autobahn-Rastplätzen auch in NRW immer schlechter

Der ADAC hat unbewirtschaftete Rastplätze getestet – auch in NRW. Das Ergebnis: Der Zustand hat sich im Vergleich zum letzten Test noch weiter verschlechtert

Der ADAC hat den Zustand von Rastplätzen getestet.

Der Zustand unbewirtschafteter Rastplätze an deutschen Autobahnen hat sich in den vergangenen Jahren weiter verschlechtert. Das ist das Ergebnis eines ADAC Tests von 50 Rastplätzen bundesweit, bei dem zahlreiche Anlagen erhebliche Mängel bei Sauberkeit, Ausstattung, Sicherheit und Zustand aufwiesen. Bereits vor vier Jahren hatte der Mobilitätsclub dieselben 50 Anlagen untersucht – darunter acht in Nordrhein-Westfalen. Die meisten Rastplätze schnitten im Test noch schlechter ab als beim letzten Mal.

„Die Testergebnisse zeigen, dass die unbewirtschafteten Rastplätze weiterhin systematisch vernachlässigt werden“, sagt Prof. Dr. Roman Suthold, Verkehrsexperte des ADAC in NRW. „Der Wunsch der Autofahrer nach Sauberkeit, einem gepflegten Zustand und angemessener Ausstattung wird offenbar ignoriert.“

Fast jeder zweite Rastplatz fiel bei dem bundesweiten Test mit der Note „mangelhaft“ oder „sehr mangelhaft“ durch. Beim vergangenen Test im Jahr 2022 war es nur jede fünfte Anlage. In Nordrhein-Westfalen bewerteten die Tester vier der acht Rastplätze mit „mangelhaft", der Rastplatz Wittenhorst an der A3 nahe der Grenze zu den Niederlanden wurde sogar mit „sehr mangelhaft“ bewertet. Nur ein Platz in NRW erhielt mit „gut“ eine bessere Bewertung als die anderen Standorte – der Rastplatz Röllingser Graben an der A44 bei Soest.

Bundesweit wurden nur 18 Prozent der Rastplätze mit „gut“ bewertet, 2022 waren es noch 40 Prozent. Fünf der acht Rastplätze in NRW schnitten schlechter ab als 2022. Der Rastplatz Rur-Scholle an der A4 bei Düren wurde sogar von „gut“ auf „mangelhaft“ heruntergestuft. „Beim letzten Test wurden Mängel transparent offengelegt. Dass sich die Zustände trotz der Kritik vor vier Jahren teilweise sogar weiter verschlechtert haben, ist schockierend und aus Autofahrer-Sicht inakzeptabel“, kritisiert Suthold.

In NRW testete der ADAC neben Wittenhorst (A3), Röllingser Graben (A44) und Rur-Scholle (A4) die Anlagen Logebachtal (A3 bei Bonn), Sürenheide (A2 bei Gütersloh), Hasetal (A1 bei Osnabrück), Oberste Heide (A1 südlich von Köln), und Hoxhöfe (A44 bei Krefeld). Logebachtal und Sürenheide erhielten noch die Note „ausreichend“, Hasetal, Oberste Heide und Hoxhöfe fielen wie Rur-Scholle mit „mangelhaft“ durch.

Toiletten nicht sauber und schlecht ausgestattet

Fehlende Sauberkeit, kein Toilettenpapier, kaputte oder leere Seifenspender: Am schlechtesten bewertete der ADAC die sanitären Anlagen der Rastplätze. Drei Anlagen in NRW wurden hier mit „sehr mangelhaft", drei weitere mit „mangelhaft" bewertet. Lediglich zwei NRW-Rastplätze erreichten in der Kategorie die Note „ausreichend" (Röllingser Graben, Logebachtal). Bundesweit fielen 62 Prozent der Rastplätze in der Kategorie „Sanitäre Anlagen“ durch. „Der Gang zur Toilette ist einer der Hauptgründe der Autofahrer, einen Rastplatz anzusteuern. Die Räumlichkeiten müssen daher deutlich öfter gereinigt und mit Toilettenpapier versorgt werden“, fordert Suthold.

In der Kategorie „Verkehr und Parken“ schnitten die Anlagen dagegen wie schon 2022 besser ab. Aspekte wie eine verkehrssichere Straßenführung oder saubere Gehwege sorgten für überwiegend „gute“ und „sehr gute“ Bewertungen der NRW-Standorte. Weil Parkplätze für Menschen mit Behinderung fehlten und Parkplätze für Busse und Autos mit Anhänger nicht ausgewiesen waren, erhielt der Rastplatz Wittenhorst (A3) als einer von bundesweit nur drei Rastplätzen die schlechteste Bewertung.

Licht und Schatten bei Außenanlagen

Bei der Bewertung der Außenanlagen fiel das Ergebnis in Nordrhein-Westfalen unterschiedlich aus. Jeweils zwei Rastplätze bewerteten die Tester „gut“ oder „ausreichend“, drei fielen mit „mangelhaft“ durch (Logebachtal, Rur-Scholle, Oberste Heide), weil fehlende Spazierwege, Bewegungsflächen, unzureichender Lärmschutz oder Stolperstellen auf Gehwegen die Aufenthaltsqualität deutlich minderten. Der Rastplatz Hasetal West hatte beim ADAC Test sogar eine „sehr mangelhafte“ Außenanlage. Dazu führten u.a. ungepflegte Rasenflächen, unebene Gehwege, Sitzgarnituren zu nah an den Fahrbahnen oder Flächen mit Müll, Zigaretten und Unkraut.

Beim Sicherheitsgefühl sahen die Tester ebenfalls Verbesserungsbedarf. Teilweise waren Parkbereiche nicht ausreichend beleuchtet – etwa in Wittenhorst, Hasetal oder Oberste Heide. Zudem lagen manche Notrufeinrichtungen nicht zentral oder fehlten wie am Rastplatz Rur-Scholle sogar vollständig.

„Die Ergebnisse des ADAC Tests zeigen einmal mehr, dass die Verantwortlichen handeln müssen, um die Grundbedürfnisse der Autofahrer während einer Pause auf einem Rastplatz zu erfüllen“, sagt Verkehrsexperte Suthold. „Toiletten sollten sauber, funktionstüchtig und ausreichend ausgestattet sein, Wege, Flächen und Bänke müssen gut gepflegt und beleuchtet sein.“

Fast überall Vandalismus

Der ADAC hat begleitend zum Test Autofahrer nach ihren Erwartungen und Erfahrungen befragt. Das Ergebnis: Für die Befragten ist Sauberkeit der mit Abstand wichtigste Aspekt eines Rastplatzes. Gleichzeitig wird sie als größtes Problem wahrgenommen. 61 Prozent der Befragten nutzen Rastplätze vor allem deshalb, weil sie die nächstgelegene Möglichkeit zum Toilettengang darstellen. Entsprechend verhalten fällt die Zufriedenheit aus: 42 Prozent der Befragten sind mit den Gegebenheiten (sehr) unzufrieden, nur 28 Prozent sind (sehr) zufrieden.

Der ADAC dokumentierte darüber hinaus auf 96 Prozent der getesteten Rastplätze unterschiedliche Formen von Vandalismus: von Graffiti über die Zerstörung von Inventar bis hin zum Anbringen von Stickern – letzteres oft so exzessiv, dass Wegbeschilderungen nicht mehr lesbar waren.

Das fordert der ADAC:

- Rastplätze regelmäßig pflegen und säubern
- Reinigungsintervalle in den Sanitäranlagen besonders während der Ferienzeiten verkürzen und verstärkt auf Funktionsfähigkeit der Einrichtungen achten
- Toilettenpapier und Papierhandtücher regelmäßig nachfüllen; Seifenspender und Handtrockner funktionsfähig halten
- Parkplätze für die verschiedenen Fahrzeugarten eindeutig kennzeichnen
- Sitzgarnituren im sicheren Abstand zum Parkbereich und lärmgeschützt platzieren
- Den Bereich rund um das Toilettengebäude sowie die Parkbereiche gut beleuchten
- Gut sichtbare Notrufeinrichtungen an zentraler Stelle installieren und ausschildern
- Rastplätze und ihre Einrichtungen grundsätzlich barrierefrei gestalten und, wenn nötig, einzelne Bestandteile anpassen

Methodik: Der ADAC hat vom 13. bis 23. März 2026 dieselben 50 unbewirtschafteten Rastplätze mit Toilettenanlagen entlang der 15 längsten Bundesautobahnen getestet wie bereits im Jahr 2022. Bewertet wurden anhand einer standardisierten Checkliste mit mehr als 120 Prüfkriterien die Bereiche Sanitäranlagen (50 Prozent), Außenanlage (25 Prozent), Verkehr und Parken (15 Prozent) sowie persönliche Sicherheit (10 Prozent). Die Ergebnisse wurden nach einem einheitlichen Punktesystem in die Noten „sehr gut“, „gut“, „ausreichend“, „mangelhaft“ und „sehr mangelhaft“ eingestuft.

Weitere Informationen und Fakten zum ADAC Test gibt es ab dem 14. Juli unter www.adac.de/rastplaetze-test.

Ein O-Ton-Paket (Audio), Fotos und eine Grafik (Quelle: ADAC e.V.) zur redaktionellen Verwendung (SPERRFRIST 14. Juli 2026, 0 Uhr) cloud.adac-nrh.de/s/Z5rQD2FzR6NjDsBfinden Sie hier.


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