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Nordrhein-Westfalen | 17.03.2026

ADAC Preisvergleich 2026: Große Preisunterschiede bei ÖPNV-Tickets in NRW

Einzel-, Tages-, Wochen- und Monatstickets für den ÖPNV kosten in den NRW-Großstädten oft deutlich mehr als das günstigste Angebot und teilweise mehr als im Bundesdurchschnitt.

140,50 Euro zahlen Pendler für ein Monatsticket für Fahrten innerhalb von Köln und Bonn: mehr als doppelt so viel wie das Deutschlandticket kostet. Es ist das teuerste Monatsticket aller untersuchten Städte im ADAC Preisvergleich. Dafür, dass man sich damit nur innerstädtisch bewegen kann, ist der Preisunterschied zum Deutschlandticket immens", sagt ADAC Experte Prof. Roman Suthold. Foto (Archiv): Johannes Giewald

Tickets für den ÖPNV sind in den Großstädten Nordrhein-Westfalens teilweise deutlich teurer als anderswo in Deutschland. Außerdem gibt es bei den Angeboten der Verkehrsverbünde mitunter erhebliche Preisunterschiede innerhalb von NRW. Das geht aus einem Preisvergleich des ADAC für Fahrten mit Bus und Bahn in 25 deutschen Großstädten hervor. Untersucht wurden die Preise für Einzel-, Tages-, Wochen- und Monatstickets. In den NRW-Großstädten kosten diese oft deutlich mehr als das günstigste Angebot und teilweise mehr als im Bundesdurchschnitt. Im Vergleich zum letzten ADAC Preisvergleich 2021 sind zudem viele Preise enorm angestiegen – manche um mehr als 50 Prozent.

Die Preisspanne für ÖPNV-Tickets geht innerhalb von NRW weit auseinander: Für ein Tagesticket etwa zahlen Fahrgäste in Bielefeld (OWL Verkehr) nur 6,70 Euro – so wenig wie in keiner anderen untersuchten Stadt. In Köln und Bonn (Verkehrsverbund Rhein-Sieg) kostet das Ticket dagegen mit 9,20 Euro etwa 37 Prozent mehr. In den untersuchten Großstädten im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen und Wuppertal) liegt das Ticket bei 7,60 Euro. Durchschnittlich kostet die Tageskarte in den deutschen Großstädten 8,44 Euro.

Bei Einzelfahrten sind die Preisunterschiede geringer: 3,60 Euro kostet die einzelne Fahrt in Bielefeld, 3,80 Euro in den anderen NRW-Städten. Die Ticketpreise befinden sich damit nah am deutschlandweiten Durchschnittspreis (3,68 Euro), aber 24 Prozent (Bielefeld) bzw. 31 Prozent (andere NRW-Städte) über dem günstigsten Angebot: 2,90 Euro für eine Einzelfahrt in Erfurt.

„Es gibt innerhalb von NRW immer noch diesen unnötigen Flickenteppich an verschiedenen Preismodellen mit teils großen Unterschieden. Diese Parallelstrukturen sollten eigentlich abgeschafft werden“, sagt ADAC Verkehrsexperte Prof. Dr. Suthold. „Glücklicherweise gibt es inzwischen für Vielfahrer mit dem Deutschlandticket ein bundesweit einheitliches, günstiges Angebot. Gelegenheitsfahrer können in NRW mit dem eezy-Tarif auf ein flexibles Modell zurückgreifen, das ihnen immer den günstigsten Preis garantiert.“

Der ADAC hatte zuletzt 2021 die Ticketpreise in den NRW-Großstädten mit über 300.000 Einwohnern verglichen und bereits damals eine landeseinheitliche Tarifstruktur für NRW gefordert. Dies wurde mit dem 2023 eingeführten Deutschlandticket als Monatsticket bundesweit umgesetzt.

Monatstickets viel teurer als Deutschlandticket

Trotz Einführung des Deutschlandtickets bieten die NRW-Verkehrsverbünde weiterhin eigene Monatstickets an, die alle deutlich mehr kosten als das Deutschlandticket. 140,50 Euro zahlen Pendler für ein Monatsticket für Fahrten innerhalb von Köln und Bonn: mehr als doppelt so viel wie das Deutschlandticket kostet. Es ist das teuerste Monatsticket aller untersuchten Städte. Im VRR sind es 119,20 Euro, in Bielefeld 102 Euro.

Die Monatstickets der Verkehrsverbünde beinhalten dafür Optionen, die im Deutschlandticket nicht enthalten sind, wie etwa die Übertragbarkeit oder die Mitnahme von weiteren Menschen oder Fahrrädern. In den Städten des VRR hat das Monatsticket allerdings kein flexibles Startdatum, sondern ist starr auf einen Kalendermonat beschränkt – aus Sicht des ADAC nicht verbraucherfreundlich. „Dafür, dass man sich damit nur innerstädtisch bewegen kann, ist der Preisunterschied zum Deutschlandticket immens“, sagt ADAC Experte Suthold. „Fahrgäste sollten genau prüfen, ob sie die Vorteile im Vergleich zum Deutschlandticket wirklich brauchen. Wenn ein Ticket mehr als doppelt so viel kostet, sollten die Verkehrsbetriebe im Ticket Zusatzleistungen einbauen, die sich auch lohnen.“

Wochentickets kosten in Bielefeld 28,80 Euro. In Köln und Bonn zahlen Fahrgäste 37,60 Euro, das sind 58 Prozent mehr als das günstigste Angebot in München (23,80 Euro) und 16 Prozent mehr als der Durchschnittspreis von 32,46 Euro. Der VRR bietet keine Wochentickets für die genannten Städte mehr an.

Preisanstieg von bis zu 58 Prozent

Im Schnitt sind die ÖPNV-Ticketpreise in den untersuchten Städten in Deutschland um 27 Prozent angestiegen. Die Preiserhöhungen in NRW fallen dagegen teilweise deutlich höher aus – vor allem bei den Monatstickets. Trotz Einführung des Deutschlandtickets ist das Monatsticket in Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Essen und Wuppertal rund 50 Prozent teurer als vor fünf Jahren (von 79,20 auf 119,20 Euro), in Duisburg sogar 58 Prozent (von 75,60 auf 119,20 Euro). In Köln und Bonn liegt der Preisanstieg bei etwa 33 Prozent (von 105,50 Euro auf 140,50 Euro). In Bielefeld kostet das Monatsticket etwa ein Viertel mehr als 2021 (von 82,50 auf 102 Euro).

Einzelfahrten sind im VRR um mehr 30 Prozent teurer geworden (3,80 statt 2,90/2,80 Euro), im VRS 27 Prozent (3,80 statt 3,00 Euro) und in Bielefeld etwa 24 Prozent (3,60 Euro statt 2,90 Euro). Bei Tageskarten fällt der Preisanstieg im Fünfjahresvergleich in VRR und VRS mit etwa fünf Prozent moderater aus, in Bielefeld ist es sogar um elf Prozent günstiger geworden.

„Die steigenden Fahrgastzahlen zeigen, dass die Menschen in Deutschland den ÖPNV brauchen und nutzen wollen“, sagt ADAC Experte Suthold. „Das Deutschlandticket ist bis 2030 gesichert, das heißt: Verkehrsverbünde haben Planungssicherheit und Gelegenheit, ihr Tarifangebot grundlegend zu prüfen, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Fahrgäste bestmöglich gerecht zu werden.“

Eezy-Tarif als flexible Alternative

Alternativ zu den gängigen Ticketmodellen gibt es in NRW mit „eezy“ einen „pay as you go“-Tarif als attraktives Angebot für Gelegenheitsfahrer. Fahrgäste wählen sich am Startpunkt via App ein und zahlen dann neben einem Grundpreis einen Fixpreis pro zurückgelegtem Luftlinienkilometer bis zum Ziel. Dank eines Preisdeckels aber nie mehr als das geltende Einzelticket. Wird mit allen Fahrten binnen eines Monats die Summe von 63 Euro – dem Preis des Deutschlandtickets – erreicht, kann der Fahrgast kostenlos in ganz NRW weiterfahren. Der ADAC befürwortet die Einführung des Angebots und die neue Preisgarantie seit 1. Januar 2026: „Mit dem eezy-Modell sind die Verantwortlichen dem Bedürfnis der Verbraucher nachgekommen, zwischen Gelegenheitsfahrten und Vielfahrten flexibel zu wechseln. Und man zahlt automatisch immer den günstigsten Preis“, lobt ADAC Verkehrsexperte Suthold.

ADAC Empfehlungen für Verbraucher:

  • Für ÖPNV-Pendler und regelmäßige Nutzer ist das Deutschlandticket für monatlich 63 Euro aktuell ein preislich unschlagbares Angebot, das in der Regel günstiger ist als klassische ÖPNV-Tickets. Angebotene Zusatzleistungen in herkömmlichen Monatstickets sollten genau geprüft werden - wenn z.B. regelmäßig Erwachsene, Kinder, Fahrräder oder Hunde mitgenommen werden oder das Ticket regelmäßig übertragen wird, kann es sich finanziell lohnen.
  • Wer in erster Linie für sich allein ein ÖPNV-Ticket (ggf. in mehr als einem Stadtgebiet) benötigt, kann schon ab ein bis zwei Tagen ÖPNV-Nutzung pro Woche über ein Deutschlandticket nachdenken. In NRW bietet sich das eezy-Modell an, da der Maximalpreis mit dem Preis des Deutschlandtickets gedeckelt ist und man immer zum günstigsten Preis fährt.
  • Wer ein Tagesticket kauft, sollte vor Erwerb prüfen, ob dieses ab Kauf- bzw. Entwertung für volle 24 Stunden (so z.B. in den untersuchten NRW-Städten) oder nur bis Betriebsschluss gilt – beide Varianten existieren.
  • Vor Erwerb eines Wochen- bzw. Monatstickets ist unbedingt zu prüfen, ob dieses ein flexibles Startdatum (Standard) hat oder nur für eine Kalenderwoche bzw. einen Kalendermonat gilt (so z.B. im VRR).
  • In Städten wie Köln und Bonn gibt es Vergünstigungen bei Online-Tickets.

Methodik: Der ADAC vergleicht wiederholt ÖPNV-Ticketpreise in deutschen Großstädten, zuletzt 2021 und 2019. Das Deutschlandticket hat das Preisgefüge im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ordentlich durcheinandergewirbelt. Die aktuelle Erhebung ist von Anfang 2026. Diese Städte wurden untersucht: Augsburg, Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Erfurt, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Magdeburg, Mannheim, München, Nürnberg, Rostock, Stuttgart und Wuppertal. Auswahlkriterien waren grundsätzlich eine Einwohnerzahl von mindestens 300.000 sowie ein schienengebundener ÖPNV. Erfurt, Magdeburg und Rostock wurden zusätzlich aufgenommen, obwohl ihre Einwohnerzahl etwas darunter liegt.

In den Preisvergleich wurden vier Ticketarten einbezogen: Einzel-, Tages-, Wochen- und Monatstickets – jeweils für einen Erwachsenen und in der Standard-Version (d.h. keine Online-Tickets, keine Abos, etc.). Als Geltungsbereich wurde das (innere) Stadtgebiet gewählt: Bielefeld (Preisstufe BI); Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Wuppertal (Preisstufe A); Köln, Bonn (Preisstufe 1b).

Ein O-Ton-Paket (Audio), Fotos und Grafiken zur redaktionellen Verwendung (Quellenangabe) können Sie hier herunterladen:

https://cloud.adac-nrh.de/s/aK8PPc2a9Fx7Cb7
 


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