ADAC Nordrhein zum Reifenwechsel: Wetterlage wichtiger als "O bis O"-Regel
Erst wenn dauerhaft nachts kein Frost mehr herrscht und die Temperaturen konstant über sieben Grad Celsius liegen, empfiehlt der ADAC Nordrhein den Reifentausch.

Der ADAC Nordrhein rät, sich beim Zeitpunkt für den Wechsel von Winter- auf Sommerreifen nicht alleine auf die bekannte „O bis O“-Regel zu verlassen. „Sommerreifen von Ostern bis Oktober, diese Faustregel bietet nur eine grobe Orientierung. Wichtiger ist es, die Wetterlage im Blick zu haben“, sagt ADAC Technik-Experte Jürgen Schell. Erst wenn dauerhaft nachts kein Frost mehr herrscht und die Temperaturen konstant über sieben Grad Celsius liegen, empfiehlt der Mobilitätsclub den Reifentausch.
„Es ist kein Problem, bei stark schwankenden Witterungsbedingungen noch ein bis zwei Wochen länger zu warten“, erläutert Schell. Zu lange rauszögern sollten Autofahrer den Reifenwechsel allerdings auch nicht, da sich die weichere Gummimischung der Winterreifen sonst schneller abnutzt.
Ob die Sommerreifen vom Vorjahr noch ausreichen, hängt vor allem von der Profiltiefe ab. Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 Millimeter, der ADAC Nordrhein empfiehlt aber mindestens drei Millimeter. „Zu wenig Profil erhöht die Aquaplaning-Gefahr. Abgefahrene Reifen verlieren schneller den Kontakt zur Straße. Dann ist man mit einem Schlauchboot unterwegs“, warnt ADAC Techniker Schell. Mit einer 1-Euro-Münze kann jeder die Profiltiefe seiner Reifen selbst überprüfen. Ragt der goldene Rand heraus, dann sind neue Reifen angebracht, denn der Rand ist exakt drei Millimeter breit. Grundsätzlich sollten Sommerreifen nicht älter als acht Jahre sein.
Sind neue Sommerreifen fällig, ist ein Blick in den aktuellen Reifentest des ADAC hilfreich. Anschließend sollten Käufer die Reifenpreise im stationären Handel und online vergleichen und dabei auch auf die Montagekosten achten. Die Reifenmodelle sollten grundsätzlich nicht älter als zwei Jahre sein. Zu erkennen ist das an der sogenannten DOT-Nummer an der Reifenflanke. Die letzten vier Ziffern verraten die Produktionswoche und das Jahr.
Vom Kauf gebrauchter Sommerreifen rät der ADAC Nordrhein ab, auch wenn die Profiltiefe noch ausreichend ist und keine sichtbaren Schäden zu erkennen sind. „Man weiß man nie, welche Geschichte die Reifen schon hinter sich haben“, sagt Jürgen Schell.
Eine Alternative zu den klassischen Sommer- und Winterreifen können – je nach persönlichem Fahrprofil – Ganzjahresreifen sein. Viele Autofahrer wollen Zeit, Wechsel- und Lagerkosten sparen und statt Winter- und Sommerreifen lieber Ganzjahresreifen aufziehen. Die meisten Ganzjahresreifen tragen das „Alpine-Symbol“ (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) und erfüllen damit auch die Winterreifenpflicht. Im ADAC Test 2025 wurden vier Ganzjahresreifen mit der Note „gut" bewertet, vier weitere mit „befriedigend“.
Es gibt aber nach wie vor große Unterschiede zwischen einzelnen Reifenmodellen. 50 Prozent der getesteten Reifen waren immer noch nicht empfehlenswert. Deutliche Schwächen zeigen viele Ganzjahresreifen auf trocknerer Fahrbahn, die sich vollbeladen und bei hochsommerlichen Temperaturen noch verstärken. „Trotz stark verbesserter Fahreigenschaften bleiben Ganzjahresreifen weiterhin ein Kompromiss zwischen einem guten Winter- und Sommerreifen“, betont Schell.
Wer selber zu Wagenheber und Drehmomentschlüssel greifen will, dem rät der ADAC Experte zur Vorsicht: „Reifen wechseln ist mit etwas handwerklichem Geschick und Erfahrung kein Hexenwerk. Aber: Wer das noch nie gemacht hat und sich unsicher fühlt, sollte sich lieber an eine Werkstatt wenden. Das gilt besonders für den Umgang mit großen, schweren SUV-Rädern.“ Nach einem selbstständigen Reifenwechsel sollte der Reifendruck kontrolliert werden. Außerdem empfiehlt der ADAC, nach etwa 50 gefahrenen Kilometern den festen Sitz der Radschrauben zu überprüfen und bei Bedarf nachzuziehen.
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