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Nordrhein-Westfalen | 10.03.2026

Abbiegeunfälle in Köln: ADAC, Stadt und Polizei starten Verkehrssicherheitsaktion

Bis zu den Sommerferien nehmen mehr als 330 Grundschulklassen (4. Jahrgangsstufe) mit etwa 7000 bis 7500 Kindern an der Aktion "Toter WInkel" teil.

Bei der Verkehrssicherheitsaktion "Toter WInkel" von ADAC Nordrhein, Stadt Köln und Polizei Köln können die Viertklässler die Gefahrenbereiche rund um das Fahrzeug selbst wahrnehmen und die Herausforderungen der Berufskraftfahrer nachvollziehen. Foto: Jonas Lerch

Der ADAC Nordrhein, die Stadt Köln und die Kölner Polizei haben am Dienstag auf dem Neumarkt die Verkehrssicherheitsaktion "Toter Winkel" gestartet. Bis zu den Sommerferien nehmen mehr als 330 Grundschulklassen (4. Jahrgangsstufe) mit etwa 7000 bis 7500 Kindern an der Aktion teil. Vom Fahrersitz eines Lkw aus können die Viertklässler die Gefahrenbereiche rund um das Fahrzeug selbst wahrnehmen und die Herausforderungen der Berufskraftfahrer nachvollziehen. Sie erleben, wie ihre Klassenkameraden im "Toten Winkel" verschwinden, wenn zum Beispiel die Lkw-Spiegel falsch eingestellt sind. Dieser "Aha-Effekt" soll die Kinder motivieren, im Alltag Blickkontakt zu suchen und im Zweifel lieber hinter einem großen Fahrzeug zu warten.

"Der 'Tote Winkel' klingt angesichts moderner Fahrassistenzsysteme und zahlreicher Spiegel wie ein Phänomen aus vergangenen Zeiten. Gerade innerorts sind aber weiterhin viele ältere Nutzfahrzeuge unterwegs, die nicht mit Abbiegeassistenten nachgerüstet wurden. Und wenn dann die Spiegel nicht richtig eingestellt sind, ist der 'Tote Winkel' nach wie vor Realität", warnt ADAC Verkehrsexperte Prof. Dr. Roman Suthold.

Im Kölner Stadtgebiet ereignen sich jedes Jahr tragische Unfälle zwischen abbiegenden Bussen/Lkw und Radfahrern, Fußgängern oder E-Scooter-Fahrern. Erst seit Juli 2024 müssen alle neu zugelassenen Lkw und Busse über Abbiegeassistenten verfügen. Der ADAC fordert die Unternehmen auf, auch die Bestandsflotte nachzurüsten. Laut Unfallforschung der Versicherer (UDV) könnten Abbiegeassistenten 60 Prozent der Unfälle mit getöteten oder schwer verletzten Radfahrern in Deutschland verhindern.

Auch in punkto Spiegeleinstellung nimmt der Mobilitätsclub die Speditionen und Unternehmen in die Pflicht. "Wer vor Fahrtantritt die Spiegel nicht kontrolliert, handelt fahrlässig und gefährdet die Verkehrssicherheit erheblich", betont Suthold. Eine Spiegeleinstellplane oder entsprechend eingezeichnete Flächen auf dem Firmengelände könnten die Fahrer beim optimalen Einrichten der Spiegel unterstützen und müssten Standard sein. Dann würden sich auch die nicht oder nur schwer einsehbaren Stellen rund um das Fahrzeug drastisch reduzieren, so der ADAC Experte.

Je nach Verkehrssituation ist es für Lkw-Fahrer allerdings selbst mit sechs richtig eingestellten Spiegeln eine große Herausforderung, alle Teilbereiche rund um das Fahrzeug permanent im Blick zu haben – gerade im dichten Stadtverkehr, wo viele verschiedene Verkehrsteilnehmer sich den begrenzten Straßenraum teilen. Seit 2020 dürfen Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen innerorts deshalb nur noch mit Schrittgeschwindigkeit rechts abbiegen.

Michael Lindlar, Leiter der Verkehrsunfallprävention bei der Polizei Köln, erklärt: "Kinder sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. Unsere Erfahrung zeigt, wenn Kinder einmal selbst neben einem Lkw stehen und erleben, dass sie im Spiegel nicht zu sehen sind, verstehen sie die Gefahr besser als durch reine Erklärungen im Unterricht. Dieses Erlebnis prägt sich ein – und kann im entscheidenden Moment Leben retten. Die Aktion 'Toter Winkel' soll unterstützen, Gefahren sichtbar zu machen, richtiges Verhalten zu trainieren und Kinder stark und sicher im Straßenverkehr zu machen."

Sabine Bongenberg, Leiterin der Unfallkommission der Stadt Köln und Expertin für Verkehrssicherheitsarbeit, sagt: "Technik ist gut, aber Vorsicht ist besser! Auch wenn moderne Lkw heute schlaue Assistenten an Bord haben – der 'Tote Winkel' bleibt eine unsichtbare Gefahr. Gemeinsam mit der Polizei und dem ADAC machen wir die Kids der 4. Klassen zu Straßen-Profis. Wir zeigen ihnen hautnah, wo sie für Lkw-Fahrende unsichtbar sein können, damit sie sicher und mit vollem Durchblick durch den Verkehr kommen!"

Seit Beginn der Aktion im Jahr 2009 haben der ADAC Nordrhein, die Stadt Köln und die Kölner Polizei gemeinsam mehr als 3300 Grundschulklassen mit mehr als 70.000 Kindern geschult.

Hintergrund: Das Thema "Toter Winkel“ ist auch fester Bestandteil der Berufskraftfahrer-Qualifikation, insbesondere im Rahmen der Grundqualifikation und der Weiterbildung nach dem Berufskraftfahrer-Qualifikationsgesetz (BKrFQG). Der ADAC Nordrhein bietet zum Beispiel in seinem Fahrsicherheitszentrum in Grevenbroich einzelne Praxismodule an, die für Lkw-Fahrer im Rahmen der Aus- und Fortbildung verpflichtend sind.

Fotos vom Auftakt der Verkehrssicherheitsaktion "Toter Winkel" (Quelle: ADAC Nordrhein) können Sie hier herunterladen:

https://cloud.adac-nrh.de/s/8FzHq3zL5PbB5zc


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