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Nordbayern | 17.11.2020

ADAC Expertenreihe: Verkehrsraum wird immer enger

Fachexperten diskutieren Mobilitätswandel

Nürnberg. In deutschen Städten und Gemeinden steht den wachsenden Verkehrsmengen ein knapper werdender Platz gegenüber. Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer konkurrieren untereinander um diesen begrenzten Verkehrsraum. So überqueren alleine in einer Stadt wie Nürnberg werktags rund 600.000 Pendler im PKW die Stadtgrenze. Hinzu kommen vom Verkehr mitverursachte Probleme wie Luftverschmutzung, Unfälle und Staus. Hier stellt sich die Frage, wie ein Mobilitätswandel gestaltet werden kann, der die Verkehrsinfrastruktur ebenso miteinschließt wie das Mobilitätsverhalten der Bürger.

In der diesjährigen ADAC Expertenreihe ist der ADAC Nordbayern am heutigen Dienstag dieser Frage zusammen mit dem ADAC e.V., dem ADAC Südbayern und dem ADAC Württemberg sowie Fachexperten aus Verwaltung, Industrie und Wissenschaft nachgegangen. Die Veranstaltung wurde bereits mehrfach verschoben und fand nun - erstmalig seit vielen Jahren - als reine „Online“ Veranstaltung statt. „Bei der Neugestaltung städtischer Straßenräume muss in erster Linie dafür Sorge getragen werden, dass Mobilität erhalten bleibt und keine neuen Gefahren im Straßenverkehr entstehen“, stellt Thomas Dill, Vorstand für Verkehr, Technik und Umwelt beim ADAC Nordbayern in seinen einleitenden Worten klar. Die vortragenden Experten zeigten im Anschluss unter anderem auf, welche planerischen Ansätze es zur Auflösung von Flächenkonflikten gibt, wie diese sich auswirken und wie eine gesellschaftliche Akzeptanz für entsprechende Maßnahmen erzielt werden kann.

In den Fachvorträgen wurde deutlich, dass das Auto weiterhin eine wichtige Rolle spielt und Verkehrsraum benötigt. So besitzen 80 Prozent der Haushalte in Deutschland mindestens einen PKW, in Städten sind es jedoch nur 58 Prozent. In einer Großstadt wie Nürnberg ließ sich im Zeitverlauf beobachten, dass der innerstädtische KFZ-Verkehr zwar abnimmt und der Radverkehr zunimmt. Außerhalb des innerstädtischen Kernbereichs besteht jedoch gleichzeitig weiterhin ein ungebrochener Trend zum motorisierten Individualverkehr. Dass die wachsenden Verkehrsmengen zu Flächenkonflikten führen können wird aus einer Umfrage des ADAC deutlich: So stimmt zum Beispiel nur jeder fünfte Verkehrsteilnehmer der Aussage zu „Das Verkehrsgeschehen in meiner Stadt ist heute von gegenseitiger Rücksichtnahme geprägt.“ Autofahrende ärgern sich über Fahrradfahrende und umgekehrt. Zufußgehende ärgern sich wiederum über Fahrradfahrende, E-Scooter und parkende Autos.

Um diese Flächenkonflikte aufzulösen und verkehrliche Belastungen in Städten zu reduzieren, bestehen unterschiedliche Möglichkeiten. Denkbare Maßnahmen umfassen unter anderem die stärkere Vernetzung des ÖPNV mit anderen Verkehrsträgern, eine Senkung der Fahrpreise bis hin zu Mobilitätsstationen sowie höhere Investitionen in Radwege. So möchte Nürnberg beispielsweise den Radetat von aktuell 3 Mio. Euro bis 2023 auf 10 Mio. erhöhen. Dass die Akzeptanz einer Umverteilung von Verkehrsraum nicht zwangsläufig auf Widerstand stößt, zeigt eine Umfrage des ADAC, bei der 42 Prozent der Befragten sich vorstellen konnten Verkehrsflächen zugunsten von Fußgängern und Fahrradfahrern umzuwandeln. Hier war jedoch die Bereitschaft höher eine Fahrspur anstatt eine Parkfläche zu verwenden.

Erfolgversprechende Ansätze zur Auflösung der Flächenkonflikte sind in erster Linie großräumige und ganzheitliche Konzepte. Hier sollten klare Zielsetzungen mit einem klaren Maßnahmenplan formuliert werden, um die gesellschaftliche Akzeptanz zu erhöhen. Insgesamt lässt sich festhalten, dass es eines langfristigen Maßnahmenbündels bedarf, um das komplexe Problem der Flächenkonkurrenz zu lösen. Die aktuellen Verschiebungen der Verkehrsmenge und der Verkehrszusammensetzung aufgrund der Corona Pandemie würden die Probleme eher verschärfen als verbessern.

Vortragende ADAC Expertenreihe

Thomas Dill, Vorstand für Verkehr, Technik und Umwelt, ADAC Nordbayern e.V.

Frank Jülich, Leiter des Verkehrsplanungsamts, Nürnberg

Anne Klein-Hitpaß, Agora Verkehrswende, Berlin

Ronald Winkler, ADAC e.V., München

Max Pliefke, ADAC e.V., München

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gerlach, Bergische Universität Wuppertal

Dr. Ralf Kaulen, Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen, Aachen/München
Carl-Eugen Metz, Vorstand für Verkehr und Umwelt, ADAC Württemberg e.V., Stuttgart
 

 


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