ADAC Mittelrhein: Risiko für Wildunfälle durch Zeitumstellung
Mit der Umstellung auf die Sommerzeit am kommenden Wochenende steigt für Autofahrer erneut das Risiko für Wildunfälle, warnt Mobilitätsexperte Christian Schmidt.
Der ADAC Mittelrhein weist darauf hin, dass sich durch die Zeitverschiebung insbesondere der morgendliche Berufsverkehr wieder in eine Phase erhöhter Wildaktivität verlagert. „Viele Pendler sind plötzlich zu einer Uhrzeit unterwegs, in der Wildtiere besonders aktiv sind, insbesondere in der Dämmerung“, erklärt Mobilitätsexperte Christian Schmidt. „Für Tiere spielt die Zeitumstellung keine Rolle. Sie orientieren sich weiterhin an ihrem natürlichen Rhythmus und der kollidiert jetzt wieder stärker mit dem Straßenverkehr.“
Besonders gefährdete Strecken im Blick behalten
Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem auf Landstraßen sowie in Wald- und Feldgebieten. Im Frühjahr sind viele Tiere verstärkt auf Nahrungssuche, zudem beginnt die Setzzeit. Besonders Rehe und Wildschweine sind häufig in Gruppen unterwegs. Ein zusätzlicher Aspekt: Studien zeigen, dass Wildtiere bekannte Wechselrouten über Jahre hinweg nutzen. Das bedeutet, dass es an bestimmten Streckenabschnitten immer wieder zu Querungen kommt, auch ohne entsprechende Beschilderung.
Müdigkeit und Unachtsamkeit als Risikofaktoren
Neben der veränderten Verkehrssituation kann auch die Zeitumstellung selbst zum Problem werden. „Ein Teil der Menschen reagiert empfindlich auf die verlorene Stunde Schlaf“, so Schmidt. „Schon leichte Müdigkeit kann die Konzentration beeinträchtigen und genau die ist entscheidend, wenn plötzlich ein Tier auf die Straße läuft.“ Zur Einordnung: Bei Tempo 100 legt ein Fahrzeug in einer Sekunde rund 30 Meter zurück – eine Strecke, die im Ernstfall über Reaktion oder Kollision entscheidet.
Verhaltenstipps für Autofahrer
Christian Schmidt empfiehlt:
• Geschwindigkeit reduzieren, besonders in Waldnähe
• Bremsbereit fahren und Fahrbahnränder aufmerksam beobachten
• Bei Wild am Straßenrand: Tempo drosseln, hupen und Licht abblenden
• Nicht ausweichen – hohes Risiko für schwere Folgeunfälle
• Immer mit mehreren Tieren rechnen
• Ausreichenden Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug halten
„Schon eine moderate Geschwindigkeitsreduzierung kann entscheidend sein“, betont Schmidt. „Wer langsamer fährt, gewinnt wertvolle Meter Bremsweg und damit oft die entscheidenden Sekunden.“
Kommt es dennoch zu einer Kollision, gilt:
• Warnblinkanlage einschalten
• Unfallstelle absichern (Warndreieck mit ausreichend Abstand)
• Warnweste tragen
• Polizei oder Jagdpächter informieren
• Verletztes Wild nicht berühren
• Wildschadenbescheinigung ausstellen lassen
Wichtig: Auch wenn das Tier flüchtet, muss der Vorfall gemeldet werden.
Versicherungsschutz beachten
Schäden durch Zusammenstöße mit sogenanntem „Haarwild“ – etwa Rehen oder Wildschweinen – werden in der Regel von der Teilkaskoversicherung übernommen. Bei anderen Tieren kann unter Umständen die Vollkasko greifen, was jedoch Auswirkungen auf die Schadenfreiheitsklasse haben kann.
„Vorausschauendes Fahren und ein angepasstes Tempo sind jetzt besonders wichtig“, fasst Schmidt zusammen. „Wer aufmerksam unterwegs ist, kann viele kritische Situationen entschärfen und trägt dazu bei, Mensch und Tier zu schützen.“
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