Sicher durch die dunkle Jahreszeit: Sichtbarkeit kann Leben retten
ADAC-Experte Christian Schmidt erklärt, wie Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer mit einfachen Maßnahmen ihre Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen können.

Mit der dunklen Jahreszeit steigt die Gefahr, im Straßenverkehr übersehen zu werden. Wie wichtig gute Sichtbarkeit ist, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Im Jahr 2022 kamen rund 30 Prozent aller im Straßenverkehr getöteten Menschen bei Dämmerung oder Dunkelheit ums Leben. Bei Fußgängern lag dieser Anteil sogar bei 41 Prozent. Der ADAC Mittelrhein appelliert deshalb an alle Verkehrsteilnehmenden, gerade jetzt besonders aufmerksam zu sein und auf ihre Sichtbarkeit zu achten.
„Sichtbarkeit kann im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden. Wer jetzt bewusst zu heller und reflektierender Ausstattung greift, schützt sich selbst und leistet einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit“, erklärt Christian Schmidt, Mobilitätsexperte des ADAC Mittelrhein.
Besonders gefährdet sind Fußgänger, Radfahrer und E-Scooter-Fahrende, die von Autofahrern bei schlechten Lichtverhältnissen häufig zu spät wahrgenommen werden. Auch Kinder zählen aufgrund ihrer geringen Körpergröße und fehlenden Routine zu den besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmenden. Schmidt rät deshalb zu gegenseitiger Rücksichtnahme: „Autofahrerinnen und Autofahrer sollten in den kommenden Monaten besonders vorausschauend und aufmerksam unterwegs sein und insbesondere Kinder im Blick haben.“
Auch Fußgänger sollten vor dem Überqueren der Fahrbahn sicherstellen, dass sie von anderen Verkehrsteilnehmenden wahrgenommen werden. „Wenn die Situation unklar ist, sollten Fußgänger lieber einen Moment warten, bis sich die Situation geklärt hat. Jeder Verkehrsteilnehmer sollte gerade in der dunklen Jahreszeit seine Sinne wie Auge und Gehör stärken“, betont Schmidt. Dazu gibt er folgende Empfehlungen:
• Tipps für Fußgänger: Zum eigenen Schutz sollten vor allem Fußgänger für eine gute Sichtbarkeit sorgen. Bereits 2022 zeigten die Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes: Rund 30 Prozent aller im Straßenverkehr getöteten Menschen kamen bei Dämmerung oder Dunkelheit ums Leben. Unter Fußgängern lag der Anteil mit gut 41 Prozent überproportional hoch. „Und die Zahlen steigen“, sagt Schmidt. „Wer frühzeitig gesehen werden will, sollte helle Kleidung mit retroreflektierendem Material tragen; Kinder nutzen idealerweise zusätzlich Reflexmaterial an Schultaschen und Rucksäcken. Auch bei der Farbwahl der Kleidungsstücke solle man gut überlegen. „Ein dunkel gekleideter Fußgänger ist bei schlechten Sichtverhältnissen erst aus rund 25 Metern zu erkennen. Der Anhalteweg eines Autos liegt bei einer Notbremsung aus 50 km/h bei etwa 28 Metern – zu lang, um im Ernstfall rechtzeitig zu stoppen. Kleidung mit reflektierenden Materialien verbessert die Erkennbarkeit auf bis zu 140 Meter.“
• Tipps für Radfahrende: „Radfahrer und E-Scooter Fahrende sollten bei einem kleinen Herbst-Check die Lichtanlage des Fahrzeugs kontrollieren – ebenso Bremsen und Reifen,“ so Schmidt. Für bessere Sichtbarkeit sorgen Warnwesten, Leuchtstreifen auf Rucksack und am Fußgelenk sowie ein Helm mit integriertem Rücklicht. Auch Reflektoren an Pedalen und den Speichen der Räder sind Pflicht. Leuchtbänder an den Armen helfen zudem, Handzeichen frühzeitig erkennbar zu machen.
• Tipps für Autofahrende: „Autofahrer sollten bei dämmrigen Lichtverhältnissen frühzeitig das Abblendlicht einschalten, damit auch der rückwärtige Verkehr das Fahrzeug erkennt“, rät Schmidt. Tagfahrleuchten leuchten nur vorn und reichen in der Dämmerung nicht aus. Nur bei wetterbedingt schlechter Sicht – etwa Nebel, Regen oder Schneefall – dürfen auch die Nebelscheinwerfer genutzt werden. Liegt die Sichtweite bei Nebel unter 50 Metern, dann gilt Tempo 50 und erst dann darf die Nebelschlussleuchte eingeschaltet werden.
• Kinder besonders schützen: „Besonders in den dunklen Monaten ist die Wahl der richtigen Kleidung für Kinder entscheidend“, weiß Schmidt. Aufgrund ihrer geringen Körpergröße sind sie schwer zu erkennen. Eltern sollten darauf achten, dass Schuhe und Jacken über integriertes Reflexmaterial verfügen. Eine über der Kleidung getragene Sicherheitsweste erhöht die Sichtbarkeit deutlich und trägt zum Schutz der heranwachsenden Verkehrsteilnehmenden bei. Wichtig: Das Material sollte der Norm EN ISO 17353 entsprechen. Ein ADAC-Test aus 2025 zeigte, dass 60 Prozent der 25 getesteten Warnwesten die Norm nicht erfüllt haben.
Entscheidend ist, das eigene Verhalten stets an die jeweiligen Licht- und Sichtverhältnisse anzupassen. Denn gerade in der dunklen Jahreszeit können vermeintlich kleine Unachtsamkeiten schnell gefährliche Folgen haben.
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