ADAC Expertenreihe in Bingen setzte Impulse für mehr Verkehrssicherheit im Stadtverkehr
Bei der ADAC Expertenreihe am 17. Juni 2026 im NH Hotel Bingen stand die Verkehrssicherheit im innerörtlichen Raum im Mittelpunkt.
Unter dem Titel „Sichere Straßen für alle. Risiken erkennen. Unfälle verhindern. Im Stadtverkehr.“ diskutierten Fachleute aus Wissenschaft, Planung, Polizei und Verbandsarbeit über konkrete Ansätze, wie Städte und Kommunen Straßen sicherer gestalten können.
Im Zentrum der Veranstaltung stand die Frage, wie Konflikte zwischen den unterschiedlichen Verkehrsteilnehmenden frühzeitig erkannt und möglichst vermieden werden können. Das Programm griff dabei sowohl das subjektive Sicherheitsgefühl als auch objektive Risiken in Infrastruktur, Verkehrsverhalten und kommunaler Praxis auf.
Die Keynote hielt Prof. Dr.-Ing. Peter König, Verkehrspräsident des ADAC e.V. und Vorstand Verkehr und Technik des ADAC Mittelrhein e.V. Ergänzt wurde das Programm durch Vorträge von Ronald Winkler vom ADAC e.V., Heiko Nickel vom Dezernat für Mobilität der Stadt Frankfurt am Main, Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gerlach von der Bergischen Universität Wuppertal, Stefan Sonntag von der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit, Kerstin Husse von der PTV Transport Consult GmbH sowie Frank Hahn vom ADAC e.V.
„Die Verkehrssicherheit im Stadtverkehr muss dringend verbessert werden, wie die aktuellen Unfallzahlen zeigen. Sie braucht klare Regeln, eine sichere Infrastruktur, in der alle Verkehrsteilnehmer ihren Platz finden, und das Zusammenspiel aller Akteure - von Kommunen über Polizei bis hin zu jedem einzelnen Verkehrsteilnehmer. Die ADAC Expertenreihe hat im fachlichen Austausch gezeigt, wie die Vision Zero durch einfache, pragmatische und dennoch wirksame und praxistaugliche Ansätze zu mehr Sicherheit im Straßenraum führen kann“, sagte Prof. Dr.-Ing. Peter König.
In seinem Beitrag zur ADAC Umfrage zum Sicherheitsgefühl im Straßenverkehr zeigte Ronald Winkler, dass die gegenseitige Rücksichtnahme aus Sicht vieler Verkehrsteilnehmender in den vergangenen Jahren abgenommen hatte. Besonders Radfahrende fühlten sich demnach im Straßenverkehr unsicher, während Gefährdungen häufig vor allem im Verhalten anderer gesehen wurden. Gleichzeitig machte die Präsentation deutlich, dass bekannte Schutzmöglichkeiten im Alltag oft nicht konsequent genutzt werden.
Heiko Nickel stellte mit „Vision Zero in Frankfurt am Main – Anspruch und Wirklichkeit“ einen kommunalen Ansatz vor, der Verkehrssicherheit als zentrales Ziel strategischer Mobilitätsplanung versteht. Sein Vortrag zeigte unter anderem, wie Temporeduzierung, sichere Querungen, klare Straßenraumaufteilungen und die Umgestaltung konfliktträchtiger Knotenpunkte dazu beitragen können, die Zahl schwerer Unfälle zu senken.
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gerlach widmete sich dem Sicherheitsrisiko Parken und zeigte, welche Rolle Sichtbehinderungen, Dooring und Falschparken für die Sicherheit insbesondere von Fußgängern und Radfahrenden spielen. Seine Ausführungen machten deutlich, dass parkende Fahrzeuge weit über den ruhenden Verkehr hinaus Auswirkungen auf Sichtbeziehungen, Querungen, Schulwege und die Nutzbarkeit des öffentlichen Raums haben.
Die Perspektive der Polizei brachte Stefan Sonntag ein. Sein Vortrag beleuchtete die Rolle polizeilicher Verkehrssicherheitsarbeit in Kommunen – von Verkehrserziehung und Beratung über Planungsaudits und Verkehrsschauen bis hin zur Unfallauswertung, Identifizierung von Unfallschwerpunkten und moderner Verkehrsüberwachung.
Kerstin Husse richtete den Blick auf proaktive Ansätze für sichere Straßen innerorts. Im Fokus standen Verfahren, die Sicherheitsdefizite nicht erst nach Unfällen sichtbar machen, sondern bereits in Planung und Bestand bewerten – etwa durch Sicherheitsaudits, Monitoring mit Leistungsindikatoren, risikobasierte Infrastrukturbewertung und die Analyse von Beinaheunfällen.
Frank Hahn thematisierte schließlich die besondere Gefährdung von Kindern im Straßenverkehr. Sein Vortrag zeigte, dass Kinder aufgrund ihrer körperlichen und kognitiven Entwicklung, wachsender Verkehrsvielfalt und neuer Mobilitätsformen besonderen Schutz brauchen und dass kindgerechte Infrastruktur, Mobilitätsbildung sowie die Zusammenarbeit von Schulen, Eltern, Kommunen und Verbänden dafür entscheidend sind.
Die ADAC Expertenreihe machte damit deutlich, dass sichere Straßen nur im Zusammenspiel vieler Disziplinen entstehen. Sie verband wissenschaftliche Erkenntnisse, kommunale Praxis und konkrete Maßnahmenansätze für Städte und Gemeinden.
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