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Hessen-Thüringen | 21.10.2026

Dämmerungszeit birgt Risiken für Autofahrer

Der ADAC erklärt, warum Wildunfälle im Herbst zunehmen

Wenn im Herbst die Tage wieder kürzer werden, steigt vielerorts das Risiko von Wildunfällen. Insbesondere nach der Zeitumstellung an diesem Wochenende (24. / 25. Oktober) verlagert sich der nachmittägliche Berufsverkehr wieder in die Dämmerstunden – eine Zeit, in der Wildtiere besonders aktiv sind. Der ADAC Hessen-Thüringen und der Landesjagdverband Thüringen geben Tipps, wie Autofahrer möglichst sicher unterwegs sind.

Alle 2,5 Minuten ein Wildunfall
Wenn am Sonntagmorgen die Uhren auf Winterzeit umgestellt werden, nimmt die Gefahr von Wildunfällen zu. Deutschlandweit ereignet sich statistisch gesehen alle 2,5 Minuten ein Wildunfall – in Thüringen sind im Jagdjahr 2025/2026 insgesamt 4.089 Schalenwildtiere (Paarhufer, z.B. Reh-, Rot- und Damwild) dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen. Den größten Anteil macht das Rehwild mit 3.544 Tieren aus.

„Mit der Zeitumstellung steigt insbesondere in den Morgen- und Abendstunden das Risiko von Wildunfällen. Unsere aktuellen Zahlen zeigen, dass allein in Thüringen jährlich mehrere Tausend Wildtiere im Straßenverkehr zu Schaden kommen. Besonders das Rehwild ist betroffen. Wir appellieren deshalb an alle Verkehrsteilnehmer, in der Dämmerung und an bekannten Wildwechseln besonders aufmerksam zu fahren und die Geschwindigkeit rechtzeitig zu reduzieren. Wer langsamer fährt, gewinnt wertvolle Reaktionszeit und schützt damit nicht nur unsere Wildtiere, sondern auch sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer“, so Ludwig Gunstheimer, Präsident des Landesjagdverband Thüringen.

Besonders häufig sind solche Unfälle auf Landstraßen, die durch Waldgebiete oder entlang von Feldern führen. Viele Wildtiere sind während der Dämmerungszeit auf Nahrungssuche und queren dabei auch immer wieder Fahrbahnen. Durch die Zeitumstellung verlängert sich der Zeitraum, in dem sich Berufsverkehr und Wildwechsel überschneiden. Insbesondere in den Morgenstunden zwischen 6.00 Uhr und 9.00 Uhr besteht somit ein hohes Risiko für Wildtierbegegnungen auf den Straßen und lässt die Gefahr von Wildunfällen ansteigen. In der Winterzeit beginnt die Dämmerungsphase zudem schon gegen 17.00 Uhr und fällt damit ebenfalls in die Rush-Hour.

Fahrbahnränder im Blick behalten
„Strecken, auf denen sich häufiger Wildunfälle ereignen, sind meist mit entsprechenden Wildwechsel-Verkehrszeichen ausgestattet und kennzeichnen Straßenabschnitte, an den Wildtiere täglich mehrmals die Fahrbahn überqueren. Vielen Autofahrern ist die Gefahr dahinter jedoch kaum bewusst“, so Victoria Herzig, Vorstandsmitglied für Verkehr, Umwelt und Technik des ADAC Hessen-Thüringen. Zudem werden diese Schilder von den Fahrerinnen und Fahrern häufig gar nicht richtig wahrgenommen.

Der ADAC empfiehlt: Wer in Waldgebieten oder entlang von Feldern mit dem Auto unterwegs ist, sollte die Fahrbahnränder immer aufmerksam im Blick behalten. Steht ein Tier am Straßenrand, sollten Autofahrer kontrolliert abbremsen, das Fernlicht abblenden und mehrfach hupen. Die Augen vieler Wildtiere sind deutlich lichtempfindlicher als die des Menschen – Fernlicht blendet die Tiere und macht sie orientierungslos. Der Warnton hingegen hilft ihnen, sich akustisch zu orientieren und zu flüchten. Da die meisten Wildtiere in Gruppen unterwegs sind, sollten Autofahrer beim Passieren einzelner Tiere immer mit Nachzüglern rechnen und ihre Geschwindigkeit entsprechend anpassen. Außerdem sollte ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug eingehalten werden, falls dieses abrupt abbremsen muss.

Richtiges Verhalten nach einem Wildunfall
Falls eine Kollision unvermeidbar ist, sollten Autofahrer nicht riskant ausweichen, sondern das Lenkrad gut festhalten und bremsen. Ein unkontrolliertes Ausweichmanöver erhöht das Unfallrisiko, besonders wenn das Auto in den Gegenverkehr gerät oder die Fahrt am Baum endet.

Trotz der enormen Kräfte, die bei einem Aufprall mit einem Wildtier auf das Fahrzeug einwirken - rund fünf Tonnen bei einer Kollision mit einem Rothirsch bei 60 km/h – gehen die meisten Wildunfälle ohne Personenschäden aus. Was bleibt, ist der Schock, ein Schaden am Fahrzeug und ein wahrscheinlich verletztes oder getötetes Reh oder Wildschwein. Nach einer Kollision muss die Unfallstelle unverzüglich abgesichert werden.

Folgendes muss beachtet werden:

  • Warnblinkanlage einschalten und am rechten Seitenstreifen anhalten.
  • Warnweste anlegen und Warndreieck aufstellen.
  • Polizei unter 110 über Unfall informieren, bei verletzten Personen den Notruf 112 wählen.
  • Nicht an das verletzte Tier herantreten, damit es nicht in Panik gerät und ggf. erneut auf die Fahrbahn läuft.
  • Für die Versicherung (Teilkasko) Wildunfallbescheinigung von Jäger oder Polizei ausstellen lassen.
  • Wurde das Tier nach dem Zusammenstoß verletzt und ist geflüchtet, informiert die Polizei den zuständigen Jagdpächter.
  • Unfallstelle markieren, um dem Jäger die Auffindbarkeit des Wildes zu erleichtern. Dafür z. B. eine Einkaufstüte oder ein Taschentuch sichtbar am Straßenrand platzieren.

Wichtig: Aufgrund der Infektionsgefahr sollten tote Tiere niemals ohne Handschuhe angefasst werden. Von verletzten Tieren gilt es Abstand zu halten. Wer Wild mitnimmt, kann sich der Wilderei strafbar machen.

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