ADAC Monitor 2026: Potsdam punktet bei Mobilitätszufriedenheit entgegen dem bundesweiten Trend
• Landeshauptstadt erreicht Rang 6 von 29 Städten
• Platz 2 beim Fußverkehr im Städtevergleich
• Handlungsbedarf bei Parken, Infrastruktur und Zuverlässigkeit des ÖPNV
Potsdam gehört zu den Städten mit der höchsten Mobilitätszufriedenheit in Deutschland. Das zeigt der aktuelle ADAC Monitor 2026 „Mobil in Mittelgroßstädten“. Unter den 29 untersuchten Städten mit weniger als 500.000 Einwohnern belegt die brandenburgische Landeshauptstadt den sechsten Platz und verbessert sich damit gegenüber der letzten Erhebung 2021 um sechs Plätze.
Besonders zufrieden sind die Befragten in Potsdam mit dem Fußverkehr – trotz minimaler Punktverluste. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) sowie der Radverkehr schneiden ebenfalls positiv und mit Zufriedenheitsgewinnen im Vergleich zu 2021 ab. Auch beim Autoverkehr hat sich die Bewertung verbessert, wobei hier die Unzufriedenheit der Befragten überwiegt.
Während die Gesamtzufriedenheit über alle vier Fortbewegungsarten und Städte hinweg im Vergleich zu 2021 von +21 auf +17 Punkte gesunken ist, steigt sie in Potsdam von +23 auf +26 Punkte. Damit gehört die Landeshauptstadt neben Mönchengladbach, Kiel und Karlsruhe zu den nur vier Städten, die sich gegenüber der letzten Erhebung verbessert haben.
Fußverkehr und ÖPNV sind Potsdams Stärken
Besonders gut schneidet Potsdam beim Fußverkehr ab. Trotz Punktverlusten (-6) im Vergleich zur Befragung von 2021 erreicht die Stadt mit einem Zufriedenheitsindex von +40 Punkten bundesweit Platz 2. Positiv bewerten die Befragten unter anderem die Breite und Beleuchtung der Gehwege, gesicherte Querungsmöglichkeiten und das Sicherheitsgefühl. Verbesserungsbedarf zeigt sich dagegen beim Zustand der Gehwege und bei der Barrierefreiheit.
Auch der ÖPNV zählt zu den Stärken Potsdams. Mit +41 Indexpunkten (+5 zu 2021) liegt die Stadt auf Platz 5. Die Befragten schätzen vor allem die Haltestellendichte, die Länge der Umsteigewege sowie die Taktung. Allerdings hat die Zufriedenheit mit der Zuverlässigkeit gegenüber 2021 deutlich abgenommen. Der entsprechende Einzelindex sank um 14 Punkte.
Beim Radverkehr verbessert sich Potsdam von +22 auf +26 Indexpunkte und erreicht damit Rang 7. Positiv werden unter anderem das Radwegenetz und das Sicherheitsgefühl bewertet. Der Zustand der Radwege schneidet dagegen etwas schlechter ab als vor fünf Jahren.
Autoverkehr: Trotz Verbesserungen überwiegt Unzufriedenheit
Die größte Verbesserung verzeichnet Potsdam beim Autoverkehr. Der entsprechende Index steigt um acht Punkte von -13 auf -5. Damit verbessert sich die Stadt vom letzten Platz 2021 auf Rang 10. Trotz dieser Entwicklung überwiegt bei den Autofahrenden weiterhin die Unzufriedenheit, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie fünf Jahre zuvor.
Positiver bewerten die Befragten insbesondere die Zuverlässigkeit der Zielerreichung, die Straßeninfrastruktur und die Ampelschaltungen. Auch das Baustellenmanagement erhält bessere Bewertungen, bleibt mit -32 Punkten jedoch ein deutlicher Kritikpunkt. Besonders unzufrieden sind Autofahrende mit der Höhe der Parkgebühren (-57 Punkte) und dem Parkraumangebot in der Innenstadt (-42 Punkte).
Gute Ergebnisse, große Herausforderungen für Potsdams Verkehr
Die Ergebnisse fallen in eine Phase, in der Potsdam vor wichtigen verkehrspolitischen Weichenstellungen steht. Mit dem neuen Stadtentwicklungskonzept Verkehr 2040 verfolgt die Landeshauptstadt das Ziel, den Anteil der Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad und zu Fuß weiter zu erhöhen. Gleichzeitig stellen der Sanierungsbedarf bei Straßen und Brücken, umfangreiche Baumaßnahmen und die Entwicklung neuer Wohnquartiere hohe Anforderungen an die Verkehrsinfrastruktur.
Karsten Schulze, Vorstand für Verkehr und Technik des ADAC Berlin-Brandenburg: „Potsdam hat eine gute Ausgangsbasis, um die Mobilität weiterzuentwickeln. Entscheidend ist, dass dabei alle Verkehrsmittel und die Bedürfnisse der Menschen in der Stadt und im Umland berücksichtigt werden. Ein leistungsfähiger ÖPNV ist dafür ebenso wichtig wie das Auto, das auch künftig eine bedeutende Rolle spielen wird. Dafür braucht es eine bedarfsgerechte langfristige Planung und vor allem eine verlässliche Finanzierung.“
Wie anspruchsvoll diese Aufgabe ist, zeigen große Infrastrukturvorhaben wie der geplante Ersatzneubau der Langen Brücke und die verkehrliche Erschließung des neuen Stadtteils Krampnitz. Die Straßenbahnanbindung nach Krampnitz-West ist nach aktuellem Zeitplan und mehreren Verschiebungen erst für Mitte 2032 vorgesehen. Bis dahin soll der Busverkehr eine leistungsfähige Anbindung gewährleisten. Zugleich erschwert die angespannte Haushaltslage die Umsetzung wichtiger Investitionen. Die geltende Haushaltssperre dürfte es zusätzlich erschweren, die im ADAC Monitor aufgezeigten Defizite bei der Verkehrsinfrastruktur zeitnah zu beheben.
Umso wichtiger ist es aus Sicht des ADAC Berlin-Brandenburg, klare Prioritäten zu setzen. Dazu gehören der Erhalt der bestehenden Infrastruktur, eine vorausschauende Baustellenkoordination sowie die Stärkung der Zuverlässigkeit des ÖPNV. Mit Blick auf die anstehenden Großprojekte müssen zudem frühzeitig geeignete Umfahrungen geplant und umgesetzt werden, damit der Verkehr auch während der Bauzeit möglichst reibungslos fließen kann. Ebenso wichtig sind leistungsfähige Verbindungen zwischen Potsdam und seinem Umland sowie attraktive Park-and-Ride-Angebote. Entscheidend ist, dass die Weiterentwicklung der Mobilität für die Menschen im Alltag spürbare Verbesserungen bringt.
Methodik und Gesamtwertung
Für den ADAC Monitor 2026 „Mobil in Mittelgroßstädten“ wurden mehr als 11.600 Bewohnende, Pendelnde und Besuchende in 29 deutschen Städten mit weniger als 500.000 Einwohnern befragt. Untersucht wurde die Zufriedenheit mit dem Auto, dem ÖPNV, dem Fahrrad und dem Zufußgehen.
Der ADAC Monitor bildet die subjektive Zufriedenheit der Verkehrsteilnehmenden ab. Die Ergebnisse werden als Index auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 dargestellt. Der Indexwert ergibt sich aus der Differenz zwischen positiven und negativen Bewertungen. Positive Werte bedeuten, dass die Zufriedenheit überwiegt, negative Werte zeigen ein Übergewicht der Unzufriedenheit.
Im bundesweiten Vergleich belegt Münster wie bereits 2021 den ersten Platz. Die stärkste Verbesserung erreicht Mönchengladbach. Schlusslicht ist Oberhausen, das zugleich den größten Rückgang der Mobilitätszufriedenheit verzeichnet.
Über alle Städte und Verkehrsarten hinweg sinkt der Gesamtindex von +21 auf +17 Punkte. Am zufriedensten sind die Menschen mit dem ÖPNV und dem Fußverkehr, die jeweils einen Indexwert von +28 Punkten erreichen. Es folgt der Radverkehr mit +20 Punkten. Beim Autoverkehr überwiegt dagegen bundesweit die Unzufriedenheit: Mit -9 Punkten ist der Pkw das einzige Verkehrsmittel mit einem negativen Zufriedenheitsindex.
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