Kaum ein Tag ohne Rückrufe
ADAC Untersuchung zeigt: Immer mehr Fahrzeuge von Rückrufen betroffen / Zahl der Rückrufaktionen seit Jahren auf hohem Niveau

Früher waren Rückrufaktionen der Autohersteller eine absolute Ausnahme. Inzwischen vergeht kaum ein Tag ohne die Meldung, dass ein Anbieter eines oder mehrere Fahrzeugmodelle in die Werkstatt zurückbeordert. Der ADAC hat sich in einer Marktuntersuchung der Frage gewidmet, wie oft diese Rückrufe tatsächlich vorkommen und warum sich die Zahlen im Vergleich zu früher vervielfacht haben.
Im Jahr 2025 zählte die ADAC Rückrufdatenbank, die auf Daten des Kraftfahrtbundesamts (KBA) basiert, 532 Rückrufaktionen der Hersteller. Im Vergleich zum Jahr 2010 (185) kommt dies beinahe einer Verdreifachung gleich. Die Zahl ist besonders bis zum Jahr 2018 recht konstant gestiegen, seither stagniert sie auf einem sehr hohen Niveau. Zeitgleich sind immer mehr Fahrzeuge von den Aktionen betroffen: So wurden 2024 insgesamt 2,84 Millionen Autos von den Herstellern in die Werkstatt gebeten – ein Anstieg von 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2023. Die meisten Rückrufe gingen 2025 von Mercedes-Benz (45) aus, die meisten Fahrzeuge (ca. 136.000) waren bei einem Anlasser-Fehler von BMW betroffen.
Der ADAC hat im Rahmen der Untersuchung mehrere Faktoren ausgemacht, die die Zahl der Rückrufe in den vergangenen Jahren beeinflusst hat. Ein Grund ist, dass die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge und die der verfügbaren Baureihen bei den einzelnen Herstellern immer weiter angestiegen ist. Zudem hat sich die Herstellerlandschaft gewandelt: Heute finden sich auf dem deutschen Markt neben den europäischen Herstellern wesentlich mehr Marken mit großer Modellvielfalt vor allem aus Asien. Ein weiterer elementarer Punkt ist der technische Fortschritt: Mit der steigenden Zahl an Systemen im Fahrzeug wächst auch das Fehlerpotenzial. Zeitgleich ist die Entwicklungszeit der neuen Modelle zurückgegangen: Zum Teil liegen zwischen zwei Fahrzeug-Modellen nur noch fünf Jahre – früher waren die Intervalle meist länger.
Außerdem kommt hinzu, dass große und prominente Rückrufe der vergangenen Jahre die Zahlen nach oben getrieben haben: Beim Dieselskandal und den fehlerhaften Takata-Airbags wurden allein in Deutschland mehrere Millionen Fahrzeuge zurückgerufen. Solche Mengen sind trotz der hohen Zahl an Rückrufen aber die absolute Ausnahme.
Positiv anzumerken ist, dass die Autobauer dem Thema Rückrufe heute deutlich offener gegenüberstehen. Früher wurden Autos nur bei gravierenden Mängeln zurückgerufen, da die Hersteller einen Imageschaden befürchteten. Heute werden auch kleinere Fehler ab Werk über Rückrufe behoben. Der ADAC sieht in den Rückrufaktionen in erster Linie eine Qualitätssicherungsmaßnahme: Sie schützt alle Verkehrsteilnehmer vor unsicheren Fahrzeugen und die Eigentümer der Fahrzeuge vor ungewolltem Wertverlust. Deshalb lautet die Empfehlung des ADAC, dass Rückrufe immer wahrgenommen werden sollten, egal ob es sich um einen sicherheitsrelevanten Komponententausch oder kleinere Arbeiten handelt. Gleichermaßen richtet sich der Appell aber auch an die Fahrzeughersteller, die den Verbraucher nicht zum Testpiloten für neu entwickelte Systeme machen dürfen. Ein Auto muss vor seinem Marktstart ausreichend getestet worden sein, um unnötige Rückrufe zu verhindern. Im Zweifel dürfen die Fahrzeuge oder bestimmte Systeme nicht angeboten werden, wenn bei Verkaufsstart schon die Befürchtung besteht, dass eine Marktreife nicht erreicht ist.
Kommt es doch zu einem Rückruf, dann muss dieser klar und verständlich formuliert sein, damit die Autobesitzer genau wissen, welcher Fehler vorliegt, was er bedeutet, wann das Fahrzeug in welche Werkstatt gebracht werden muss und welche Änderungsmaßnahme am Auto durchgeführt wird. Der Hersteller muss aus ADAC Sicht bei längeren Werkstattaufenthalten außerdem dafür sorgen, dass die Kunden mobil bleiben – auch wenn es darauf nur einen sehr begrenzten Rechtsanspruch gibt.
Mehr zu den Rechten und Pflichten bei einem Rückruf lesen Sie hier.
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